Drama der Affekte, Spiel der Farben
Die Veröffentlichung der CD-Einspielung von Leonardo Vincis «Artaserse» war ein großer Erfolg (vgl. OW 12/2012). Der Jubel setzte sich fort, als das Werk in der Inszenierung des rumänischen Regisseurs Silviu Purcarete auch auf die Bühne kam (vgl. ebenda) – unter anderem an der Opéra national de Lorraine in Nancy, wo der Mitschnitt entstand, der jetzt auf DVD erschien.
Purcarete präsentiert die Geschichte um den persischen Herrscher Artaserse, dem Widersacher nach dem Leben trachten und der am Ende seinen Feinden großmütig verzeiht, als opulentes Kostümspektakel, das er zugleich als solches kenntlich macht. Während der Ouvertüre kleiden sich die Sänger an, erst am Ende der instrumentalen Eröffnung haben sie sich aus Privat- in Bühnenwesen verwandelt. Die Bildregie unterstreicht das Changieren zwischen Rollenspiel und einem fingierten außertheatralischen Auftreten durch Einstellungen, die die Sängerdarsteller, für das Publikum im Opernhaus nicht sichtbar, auch auf der Hinterbühne zeigen. Eine wie auch immer geartete Deutung des Stücks ist das nicht, wohl aber ein Rahmen, in dem sich ein Drama der Affekte – und das ist die Kombination von Vincis Musik mit einem der erfolgreichsten ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: DVD des Monats, Seite 29
von Thomas Seedorf
Es gibt da ein Spiel, das Opernfans in England gern spielen. Es heißt «Richard Jones Bingo» und geht so: Man geht in eine Jones-Inszenierung. Und jedes Mal, wenn man eins seiner Markenzeichen sieht, gibt’s ein Kreuzchen. Eine Blümchentapete? Ein Waschbecken? Ein Sänger, der seltsame Verrenkungen macht? Bingo!
Gerade laufen in Glyndebourne die Proben für den...
Ein letzter, hochhackig stöckelnder Gang über die Bühne. Kerzengerade, wie immer mit durchgedrücktem Rücken. Das plötzliche winzige Straucheln von Geneviève, das sofortige Rückerobern der Haltung verrät mehr, als ihr lieb ist und als sie sich sehend eingestehen will. Die Katastrophe ist nämlich längst da. Auf der Bühne kleine Schneewehen, in einer liegt der tote,...
Seiner Natur und Geschichte nach war das deutsche Lied lange Zeit schüchtern, sensibel und kontaktarm, die Kunstform einer in sich verkapselten, nur bedingt gesellschaftsfähigen Innerlichkeit. Doch das änderte sich spätestens mit Richard Strauss, der sich weniger an Schubert, Schumann und Brahms orientierte, sondern vielmehr an den Konzertliedern von Franz Liszt...
