Aus dem Leben eines Taugenichts
Es gibt da ein Spiel, das Opernfans in England gern spielen. Es heißt «Richard Jones Bingo» und geht so: Man geht in eine Jones-Inszenierung. Und jedes Mal, wenn man eins seiner Markenzeichen sieht, gibt’s ein Kreuzchen. Eine Blümchentapete? Ein Waschbecken? Ein Sänger, der seltsame Verrenkungen macht? Bingo!
Gerade laufen in Glyndebourne die Proben für den «Rosenkavalier». Ich spiele Valzacchi, diesen skrupellosen Tratschonkel. Da müsste ich eigentlich ganz ungeniert alles ausplaudern dürfen. Wie die Kulissen aussehen. In welcher Epoche Richard das Stück ansiedelt.
Ob es einen riesigen Saurier auf der Bühne gibt ... Leider sind wir alle an eine Art Code gebunden. Eine Frage der Ehre und so, Sie wissen schon. Sie können mich sogar rausschmeißen, wenn ich nicht den Mund halte. Und das will ich denn doch nicht.
Es ist Richards erster Strauss, was mich überrascht. «Schätze, ich war Glyndebournes fünfte Wahl», vertraut er mir an. «Ich auch», sage ich ergeben. In meinem Fall ist das keine falsche Bescheidenheit. Ich habe schon einen Kollegen getroffen, der Valzacchi singen sollte. Er konnte nicht, man kam auf mich. So läuft der Hase in einem Sängerleben: Beleidigtsein sinnlos. Mal ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Christopher Gillett
Unter den Dokumentarfilmern, die sich für Musik interessieren, nimmt Bruno Monsaingeon einen besonderen Rang ein. Der Franzose ist ausgebildeter Geiger und verkehrt mit Musikern sozusagen in ihrer Sprache. Das hat ihm nicht nur Türen, sondern auch Herzen geöffnet. Monsaingeon interessiert sich für die eher scheuen, oft schwierigen Künstler, die ihren Weg abseits...
Für die vier «Klassiker» der tschechischen Musik war die Oper kein Nebengleis. Das immerhin haben Bedrich Smetana, Antonin Dvorák, Leos Janácek und Bohuslav Martinu gemeinsam. Smetana, der Älteste, figuriert als Schöpfer der tschechischen «Nationaloper» – zum Teil späte Selbststilisierung, zum Teil von der Nachwelt erteiltes Attribut. Eine gewisse Berechtigung...
Die Uraufführung der Volksoper «Die vier Grobiane» 1906 in München katapultierte den Deutsch-Italiener Ermanno Wolf-Ferrari (1876-1948) in die Herzen des wilhelminischen Opernpublikums; in der Gunst der Kritiker rangierte sie gleichauf mit Werken von Richard Strauss. Drei Jahrzehnte später bescherte die (unerwiderte) Verehrung seitens der Herren Goebbels,...
