Cornet, c'est moi

Narbutaite: Kornetas Vilnius / Nationaloper

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Geigen sirren, Holzbläser flattern in höchster Lage. Tuba und Posaunen rumoren tief unten im Unbewussten. Die Trompete bläst Attacke. Die Trommel marschiert. Der Männerchor skandiert tonlos «Reiten, Reiten, Reiten, Reiten». Den gefühlten Hauptpart in Ornute Narbutaites Rilke-Oper «Kornetas» aber spielt das impressionistisch farbige Schlagwerk. Das Vibrafon, mit dem Geigenbogen gestrichen, flirrt extraterrestrisch. Celesta, Glockenspiel, Röhrenglocken, Becken, Xylofon, Tam Tam, Glasharmonika hüllen unermüdlich erfindungsreich alles pausenlos in gläserne Unwirklichkeitswatte.

Für eine Kriegsoper ist der Zweistünder erstaunlich leise, der Satz trotz Riesenorchester meist kammermusikalisch. Nur einmal wird es apokalyptisch laut: kurz vor Ende, wenn die Türken das Schloss, in dem der junge Cornet seine erste und letzte Liebesnacht erlebt, in Brand stecken.

An Rilkes Prosa-Gedicht (1899) interessiert ­Litauens meistausgezeichnete Komponistin (Jahrgang 1956) aber nicht, dass es eine Generation junger Männer für den «Heldentod» begeisterte, weil es die Grenze zwischen Sex und Sterben verwisch­te. Ihr geht es um die Tagtraum-Atmosphäre der Dichtung. Im Bewusstseinsstrom überfluten den ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Boris Kehrmann

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