Ein Wunder

Donizetti: Maria Stuarda
Zürich | Opernhaus

Opernwelt - Logo

Einen Abend mit einem so ausgeprägten Epizentrum der Energie gibt es selten. Nach der Vorstellung von Gaetano Donizettis «Maria Stuarda» am Opernhaus Zürich weiß man jedenfalls wieder, was das ist: eine Primadonna. In der Partie der stolzen, am Ende aber doch hingerichteten Königin von Schottland lässt es Diana Damrau hören, sehen, spüren. Ihr gehört die Aufmerksamkeit – und die Sympathie, so haben es der Komponist und sein Librettist Giuseppe Bardari angelegt.

Maria Stuart hat nicht weniger auf dem Kerbholz als Elisabeth, die Widersacherin auf dem englischen Thron, doch ihre dunklen Seiten kommen erst zum Schluss ans Licht – in der Beichte, die sie ablegt, bevor sie sich dem Henker ergibt. Zuvor kämpft sie um ihren Status, ja ihr Leben, und sie tut es mit allen Mitteln, an diesem Opernabend nicht zuletzt mit vokalen. Was Diana Damrau dabei gelingt, ist nicht weniger als ein Wunder.

Gleich zu Beginn macht Regisseur David Alden deutlich, worum es geht. Erhobenen Hauptes, in sicherer Distanz und äußerst langsam umkreisen sich die beiden in Hass entbrannten Herrscherinnen. Schauplatz ist ein Halbrund aus überaus schickem Stein; es ist das Gefängnis, in dem Elisabeth ihre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Hagmann

Weitere Beiträge
In die Ecke, Besen!

Es ist anzunehmen, dass Rolando Villazón Goethes «Zauberlehrling» kennt, schließlich ist er ein kluger Mann. Somit dürfte ihm auch jener Satz vertraut sein, mit dem der traurige Titelheld das Unheil in nässenden Gang setzt: «Und nun komm, du alter Besen! / Nimm die schlechten Lumpenhüllen; bist schon lange Knecht gewesen: Nun erfülle meinen Willen!» Mit ein...

Kernige Noblesse

Die Tenor-Partien seiner 29 Opern hat Giuseppe Verdi für 21 Sänger geschrieben. Sein erster Favorit war Gaetano Fraschini, vom Typus her wohl ein lirico-spinto, ähnlich wie Raffaele Mirate, der erste Manrico. Für Alvaro fand er in Enrico Tamberlik einen echten spinto, während er aus der Partie des Don Carlos eine Arie streichen musste, um Jean Morère seine Aufgabe...

Wischen und Scrollen

Zuerst ist alles wie immer im Wuppertaler Opernhaus. Der Nierentisch-Charme im Foyer bezaubert durch seine Sterilität, der Sekt ist süß und das Foyer-Team freundlich – nur dass sich diesmal einige junge Leute in schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift «Support Team» untergemischt haben. Unterstützung beim Klettern, Mitspielen, Singen? So viel wird vom Publikum nicht...