Kernige Noblesse
Die Tenor-Partien seiner 29 Opern hat Giuseppe Verdi für 21 Sänger geschrieben. Sein erster Favorit war Gaetano Fraschini, vom Typus her wohl ein lirico-spinto, ähnlich wie Raffaele Mirate, der erste Manrico. Für Alvaro fand er in Enrico Tamberlik einen echten spinto, während er aus der Partie des Don Carlos eine Arie streichen musste, um Jean Morère seine Aufgabe zu erleichtern.
Dem stimmgewaltigen Pietro Mongini hingegen erschwerte er die Partie des Radamès, indem er für die finale Phrase von «Celeste Aida» ppp verlangte und für das hohe B ein Diminuendo – nach Ansicht von Luciano Pavarotti ein «Witz auf Kosten des Tenors».
Joseph Calleja eröffnet sein Verdi-Recital mit dem solide und sorgsam begleitenden Orquestra de la Comunitat Valenciana unter Ramón Tebar mit dieser Romanze, ohne zum Opfer des Witzes zu werden. Nach dem kernhaft erfassten hohen B auf «ergerti» singt er die Zielnote zwar nicht wirklich pianissimo, aber in schlanker Fassung und lässt sie fein diminuierend ausschwingen. Der Strategie des konzentriert fokussierten Singens folgt er auch in den Arien und Duetten aus «Il Trovatore», «La Forza del Destino» und «Don Carlo». Manricos Adagio «Ah sì, ben mio» gestaltet ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Jürgen Kesting
Über manches darf man sich bei dieser «Carmen» im Stadttheater Bern wundern. Über die Herren im Anzug zum Beispiel, die im ersten Rang dreist auf der Treppe ganz am Rand Platz nehmen. Nun, es sind Choristen, die aus dem Zuschauerraum heraus agieren. So wie José, der als artiger Premierenbesucher vorn im Parkett sitzt und sich – nachdem ihm Carmen nicht eine Blume,...
Im Gebälk blitzt es. Die Götter machen Radau, fordern Aufmerksamkeit. Immerhin haben sie gerade die schöne Galathea von einer Elfenbeinstatue in eine Dame aus Fleisch und Blut verwandelt. Es ist dies die Schlüsselszene in Gaetano Donizettis Opernerstling «Il Pigmalione». In Duisburg misslingt sie leider. Denn schon von Beginn an spaziert Galathea (schillernd:...
Natürlich haben die Großen der Musikwissenschaft sein «Ave Maria» verachtet. Was Charles Gounod da mit seiner 1854 veröffentlichten «Méditation sur le célèbre prélude de Bach» gemacht hat, ist purer Kitsch, die Versetzung des Gebets in die Sphäre der Salonmusik, rügt Carl Dahlhaus. Theodor W. Adorno nennt das Stück in seinen «Musikalischen Warenanalysen» gar eine...
