In die Ecke, Besen!
Es ist anzunehmen, dass Rolando Villazón Goethes «Zauberlehrling» kennt, schließlich ist er ein kluger Mann. Somit dürfte ihm auch jener Satz vertraut sein, mit dem der traurige Titelheld das Unheil in nässenden Gang setzt: «Und nun komm, du alter Besen! / Nimm die schlechten Lumpenhüllen; bist schon lange Knecht gewesen: Nun erfülle meinen Willen!» Mit ein bisschen Fantasie könnte Villazón den Satz für sich reklamieren.
Er wäre dann also jener wackere Zauberlehrling, der sich auf dem Gebiete der Regiekunst ausprobieren darf, weil die alten Meister gerade außer Landes sind und weil seine Stimme, ein vormals edel-lyrischer Tenor, ebenfalls urlaubt. Er wäre aber, und hier liegt ein wenig die Krux der Angelegenheit, auch der Besen, der mit zunehmender Geschwindigkeit durch die Stube saust. Viel zu schnell für andere, viel zu schnell sogar für sich selbst. Der rasende Rolando-Besen gewissermaßen.
Dass die Kunst des Inszenierens eine hohe Kunst ist, scheint ihm dabei kein Arg. Egal. Ein Besen kehrt nötigenfalls so lange, bis nichts mehr übrig bleibt von dem Stück, das sich vor ihm auftürmt. Hauptsache, die Schenkel wackeln, das Tempo stimmt, kurz: der Effekt von der Sache. Die Sache ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Jürgen Otten
Herr Kowaljow, Sie haben als Mechaniker und bei der Feuerwehr gearbeitet, sind auch Soldat gewesen. Sind Sie rein zufällig professioneller Sänger geworden?
Es kam zunächst für mich überhaupt nicht in Frage. Von 1987 bis 1989, also noch zu Sowjetzeiten, diente ich für die Rote Armee am Nordpol und hatte das Kommando über 34 Soldaten. Eigentlich wollte ich meine...
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