Zum Raum wird hier das Spiel
Die Leistung von Gerard Mortier war nicht nur die Etablierung einer neuen Opernästhetik. Er verstand es auch, für seine Projekte Ressourcen zu erschließen und Menschen zu motivieren. Er brachte Kunst an Orte, die schon verloren oder noch zu entdecken waren: an das weiland arg angestaubte Brüsseler Opernhaus, an die in Repräsentationskultur erstickten Festspiele von Salzburg, ins kulturell provinzielle Ruhrgebiet oder – nach einem eher glücklosen Pariser Intermezzo – an das Königliche Opernhaus von Madrid.
Selbst wenn sich dabei das Personal (Herbert Wernicke, Peter Sellars, Christoph Marthaler, Krzysztof Warlikowski, Sylvain Cambreling) als Markenzeichen und «Mortier-Branding» bis zuletzt wiederholte – in all seinen Häusern gelang Mortier doch eine Kolonialisierung mit Moderne im großen Stil, die Folgen hatte.
Diese Folgen lassen sich auch an seinem letzten Wirkungsort, dem Teatro Real in Madrid, nicht leugnen, von dem man Mortier im Angesicht seines nahenden Krebstodes wie einen lästigen Aussätzigen verscheuchte und durch einen weniger ansteckenden Nachfolger (Joan Matabosch, den langjährigen Operndirektor des Liceu in Barcelona) ersetzte. Allein die laufende Saison, die mit ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Michael Struck-Schloen
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