Karikaturen, leicht zu durchschauen
Vor der Ouvertüre wird die Stimme des Regisseurs Pippo del Bono eingespielt. Während er von Mozarts Begräbnis erzählt – del Bono lebt seit über zwanzig Jahren mit der Diagnose Aids und verarbeitet die Auseinandersetzung in seinem Schaffen –, schwebt das Porträt des Komponisten auf dem Vorhang, daneben das von del Bonos Mitarbeiter und Muse, dem taubstummen «Bobò», ebenfalls im Stil des 18. Jahrhunderts. Dennoch spielt ein philosophischer Umgang mit dem Tod im Posener «Don Giovanni» so gut wie keine Rolle.
Das westpolnische Haus befindet sich seit der Ankunft des Künstlerischen Leiters Gabriel Chmura 2012 im Aufwind; er hat das Orchester einer Frischzellenkur unterzogen und setzt auf experimentelle Regie: Ein Theater sollte ein Ort der Meinungsvielfalt sein, so der Dirigent im Gespräch. Del Bono folgt freilich nach dem eigenwilligen Auftakt treu dem Libretto, ohne die geistigen Dimensionen des Werks neu zu beleuchten. Farbige historische Kostüme und Möbel prangen zwischen grauen Wänden, in der Bankettszene sorgen schwarze Kleider für ein düsteres, distanziertes Ambiente. Der gelegentlich aufblitzende dunkle Humor deutet auf eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Mozarts und Da ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Rebecca Schmid
Nach dem Konsens der Spätmoderne, den Thomas Macho in seinem Buch «Todesmetaphern» formuliert hat, können wir uns vom Tod kein Bildnis machen und über ihn nicht reden. Wer redet, lebt noch; die Toten aber schweigen. Und aus dem Land, aus dem noch niemand je zurückgekehrt ist, gibt es keine Bilder. Da klingt es nach Widerstand gegen denkerische Diktate, wenn die...
Geigen sirren, Holzbläser flattern in höchster Lage. Tuba und Posaunen rumoren tief unten im Unbewussten. Die Trompete bläst Attacke. Die Trommel marschiert. Der Männerchor skandiert tonlos «Reiten, Reiten, Reiten, Reiten». Den gefühlten Hauptpart in Ornute Narbutaites Rilke-Oper «Kornetas» aber spielt das impressionistisch farbige Schlagwerk. Das Vibrafon, mit dem...
Ein letzter, hochhackig stöckelnder Gang über die Bühne. Kerzengerade, wie immer mit durchgedrücktem Rücken. Das plötzliche winzige Straucheln von Geneviève, das sofortige Rückerobern der Haltung verrät mehr, als ihr lieb ist und als sie sich sehend eingestehen will. Die Katastrophe ist nämlich längst da. Auf der Bühne kleine Schneewehen, in einer liegt der tote,...
