Wider die Ideologie der absoluten Musik
Titel, Untertitel und Klappentext von Leon Botsteins Buch führen den Interessenten in die Irre. Die sechs Aufsätze des renommierten amerikanischen Dirigenten und Musikwissenschaftlers handeln nicht von «Macht und Ohnmacht der Musikgeschichte», wie der Verlag insinuiert, sondern sind einlässliche rezeptionsgeschichtliche Studien zu Beethoven, Schubert, Brahms, Mahler, Schönberg und Berg. Ihr Reiz, aber auch ihre Crux liegen in der mal stärker, mal laxer verknüpften Verbindung von zeitgenössischer Wiener Umwelt und musikalischer Botschaft.
Vor allem in den Porträts von Schubert und Brahms rücken die spezifischen Lebenswelten der beiden Komponisten – bei Schubert die Verortung im trostlosen Alltag der Metternich-Zeit mit seinen prekären Lebensumständen, bei Brahms die Einbindung in die bürgerliche Wiener Musikkultur – ins Zentrum der Darstellung. Während bei Schubert der Brückenschlag zur Musik als «Medium eines psychologischen und gegenständlichen Realismus» allzu kurzschlüssig scheint, eröffnet die Verknüpfung der von Helmholtz’ «Lehre von den Tonempfindungen» ausgelösten und von der zeitgenössischen Popularästhetik aufgenommenen Physiologie der Wahrnehmung mit Brahms’ ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Uwe Schweikert
Helge Leiberg sitzt im Parkett des Magdeburger Opernhauses an Overhead-Projektoren und malt. Was er auf die Folien wirft, wird live auf Leinwände und Personen projiziert, auch auf Marie-Luise Strandts weißen Kubus, der mittlerweile zu so etwas wie einem Markenzeichen der Inszenierungen von Arila Siegert geworden ist. Diesmal wirkt er verbraucht. Wenn Titelheld Otto...
Erinnern Sie sich noch? An die Zeiten, als das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland nur aus dem Ersten, dem Zweiten und ein paar Regionalprogrammen bestand? Und Theater, Oper, Konzert noch einen Platz im (Spät-)Programm hatten? Wer das Neueste vom Tage nicht versäumen wollte, musste sich damals freilich an feste Sendezeiten halten. Als die Künste Anfang...
Mit seinen Opern hatte Antonín Dvorák, mit Ausnahme von «Rusalka», außerhalb Böhmens wenig Glück. Der 1875 komponierten «Vanda» war selbst in seiner Heimat kein Erfolg beschieden: Der Fünfakter im Stil der französischen Grand opéra fiel bei der Prager Premiere durch und ist heute gründlich vergessen. Zu Unrecht, wie jetzt die Osnabrücker Aufführung bewies. Gewiss...
