Zumutung gegen Vermutung
Die eine wettert gegen «die Schwuchteln», «Scheißisrael» und «bürgerliche Pornoschlampen». Der nächsten sind «die toleranten Arschlecker» ein «Gräuel». Auch die Dritte hat «knallharte Ansichten: Es lebe der Gottesstaat! Es lebe der islamische Kampf im Irak und in Palästina! Amerika ist der Große Teufel!». Die zum Islam konvertierte Deutsche hält nichts von Ausländern: «Sie sind so extrem, sie schwitzen und stinken, sie haben kein Benehmen.
» Und die Querschnittsgelähmte fleht Allah an, er möge ihren Pfleger fertigmachen, «die Darmschlingen sollen dir, Pfleger, herunterbaumeln und schlackern neben deinen Beinen». Was zum Teufel sind das für Frauen? Verblendete Ideologinnen, selbstbewusste Hassmaschinen, abgefuckte Zeitbomben?
Jedenfalls werben die «Schwarzen Jungfrauen», deren authentische Lebensbeichten der Schriftsteller Feridun Zaimoglu in insgesamt zehn Monologen aufgeschrieben hat, nicht gerade um Mitgefühl und Verständnis. Weder für ihren orthodoxen Glauben, noch für ihre Biografien und Anschauungen, die voller Widersprüche stecken. In einer Gesellschaft, die sich von Integrationskrisen geschüttelt und von Fundamentalisten bedroht glaubt, sind diese Neo-Musliminnen starker ...
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Bürgermeister Kruschkatz hat reiche Erfahrungen mit der historischen Wahrheit. Er hat sein Amt in Guldenberg, Christoph Heins DDR-Paradeprovinznest, 19 Jahre lang versehen, länger als jeder seiner Vorgänger und zur besten Aufbauzeit: von 1957 bis 1976. Er hat darüber seine Frau verloren, erst an seinen Widersacher Horn, dann an den Krebs, und er hat die deutschen...
TH Ihre Inszenierung von Feridun Zaimoglus halb-dokumentarischen Frauenmonologen «Schwarze Jungfrauen» am Berliner Hebbel am Ufer ist Ihre erste Theaterarbeit. Was hat Sie als Filmregisseur an die Bühne verschlagen?
Neco Çelik Shermin Langhoff, die Kuratorin des Projekts «Beyond Belonging – Migration» am HAU, kam auf mich zu. Sie hatte die «Jungfrauen»-Monologe bei...
Walter ist die Ruhe selbst, und er hat auch allen Grund: Denn er wird von Sepp Bierbichler gespielt, und der ist ein Behauptungsmassiv, das jede Bühnensituation in eine unverrückbare Glaubwürdigkeit stemmt.
Sepp Bierbichler steht, trinkt, sitzt und redet wie das Matterhorn: stämmiger Gleichmut, etwas vierkantig und vieltausendtonnenfach gelassen, an den Rändern...
