Zürich: Die Wolkenmacher
Wehmütig flockt eine Melodie durch den verlassenen Raum. Sehr lang sei es her, verkündet der Refrain, «it is a very long time, a very long time ago». Was lange her ist, verkündet er nicht. Das müssen der stille Ort und seine merkwürdigen Menschen, die nach und nach und mit Teetassen bewaffnet auf die Bühne tröpfeln, schon selber erzählen.
Schau- und Werkplatz dieser freien Thom-Luz-Arbeit ist eine Fabrik für Nebelmaschinen.
Ihr Kernprodukt ist im Alltag verzichtbar, ihr Element von flüchtiger Substanz – was durchaus an Aki Kaurismäkis Streichholzfabrik erinnert, an die sich der Stücktitel anlehnt, «The Girl from the Fog Machine Factory».
Jenseits von Horror-Musicals und Edgar-Wallace-Krimis fristet die Nebelmaschine auf dem Theater eine eher randständige Existenz – stets im Verdacht, effektvoll darüber hinwegtäuschen zu wollen, dass die Regie kein klares Bild von ihrer Inszenierung hat. Aus ganz anderem Grund ist die Nebelmaschine bei Thom Luz auffallend häufig anzutreffen. Bei ihm ist das Schleierhafte, das schnell Verwehende, die fließende Stimmung zwischen Schönheit und Melancholie ein zentrales Gestaltungsprinzip.
Die Bühne jedenfalls gleicht einem Depot für Sammlerstücke ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Stephan Reuter
Das Hamburger Produktionshaus Kampnagel hat ein Herz für marginalisierte Theaterformen: Postmigrantisches Theater passt in die Kampnagel-Praxis der queeren Performance ebenso wie inklusives Theater. Marginalisiert ist auch Kinder- und Jugendtheater. Jeder weiß, dass man es braucht, um eine jüngere Generation an die Darstellende Kunst heranzuführen, dennoch wird es...
Zum Schluss stapfen zwei alte Männer (weiß sind sie natürlich auch) durch eine finstere, mit Leichensäcken gepflasterte Ödnis. Der Grauhaarige im höfischen Kostüm fragt den noch Älteren im modernen Lederblouson, wem er denn nun seinen einzigen Sohn überantwortet habe. Der Angesprochene beglückwünscht zur richtigen Entscheidung: «Der Verwesung lieber als / Der...
Es beginnt mit einem Lächeln. Mit einem von dieser beiläufigen, fast privaten Sorte, wenn Schauspieler anzeigen wollen, dass sie ihre Sache locker angehen. Und es ist auch ein Bild, das Ironie verträgt: wie Sarah Franke als Hedda Gabler da auf einem schwarzen Schwan hereingeschoben wird, wie ein Lohengrin-Zitat. Dafür also ein Lohengrienen. Und auch für den...
