Männerdämmerung
Zum Schluss stapfen zwei alte Männer (weiß sind sie natürlich auch) durch eine finstere, mit Leichensäcken gepflasterte Ödnis. Der Grauhaarige im höfischen Kostüm fragt den noch Älteren im modernen Lederblouson, wem er denn nun seinen einzigen Sohn überantwortet habe. Der Angesprochene beglückwünscht zur richtigen Entscheidung: «Der Verwesung lieber als / Der Freiheit.» Es sind König Philipp II.
von Spanien und sein väterlicher Freund, der Großinquisitor, und es ist der zynische Nullpunkt einer familiären wie politischen Katastrophe, die der junge Schiller in seinem am Vorabend der Französischen Revolution in den Jahren 1783 bis 1787 entstandenen dramatischen Gedicht «Don Karlos» mit schmerzhafter Präzision ansteuert. Gleich wird Philipp seinen verzweifelt rebellischen, da unter chronischem Liebesentzug aufgewachsenen Sprössling der Inquisition ausliefern, der Aufstand der freiheitsliebenden flandrischen Provinzen ist bereits durch eine Strafexpedition des katholischen Hardliners Herzog Alba erstickt. Von Gottes Willen oder Rettung des Seelenheils ist dabei nicht die Rede. Es geht um pure Macht durch Gewalt und Kontrolle.
In postdemokratischer Finsternis
Am Münchner ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Silvia Stammen
Das Denken muss kalt sein, sonst wird es familiär.» Schreibt Friedrich Nietzsche. Einar Schleef, der dessen «Ecce Homo»-Monolog in Form und mit sich selbst als brillantem Rhetor auf die Bühne brachte, war im Denken kalt und im Fühlen hochentzündlich. Provokation lag bei Schleef höchstens in seinem Willen, mit dem ein Unzeitgemäßer – und auch Wagnerianer – Rituale...
Die mehr als 200 Seiten der Hebbelschen Trilogie könnte man an drei aufeinanderfolgenden Tagen oder in einer langen Nibelungennacht spielen. Jeder Teil wäre ein Drama für sich und würde etwa drei Stunden dauern. In Mainz, wo es der Deutschen liebsten Blut- und Ehre-Mythos derzeit in der sprachmächtigen und psychologisch aufgefrischten Neudichtung Friedrich Hebbels...
Wer ist Rieke? Unter dieser unausgesprochenenen Überschrift steht «Verzicht auf zusätzliche Beleuchtung», das neue Stück von Oliver Bukowski, das in der Regie von Stephan Rottkamp bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen als Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater zur Uraufführung kam. Wer ist also diese Rieke?
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