Zu Tode gepflegt
Wenn das kein Thema für eine sozialkritische Komödie mit Potenzial für bitterböse Pointen ist: Pflegenotstand in Westeuropa und Personal aus dem wilden Osten, das die Lücken füllt. Da könnten Interessen aufeinanderprallen, Kulturen clashen und die Fetzen fliegen. Und so viel muss man Cesare Lievi lassen: Er hat einen aktuellen Brennpunkt gefunden, der auf dem Theater noch ziemlich unverbraucht ist. Und was den Deutschen ihre polnische Pflegekraft ist, ist den Italienern die ukrainische «badante».
Im Original heißt Lievis Stück dementsprechend auch «La Badante», in Wiesbaden hat man daraus «Fremde im Haus» gemacht. Das lässt offen, wie viele Eindringlinge im ehemals großbürgerlichen Haushalt einer alten Dame ihr Unwesen treiben. Immerhin gibt es da zwei Söhne, von denen einer meist abwesend ist, die ungeliebte deutschstämmige Schwiegertochter und eben die Ukrainerin Ludmilla, die gerne mal russische Popmusik hört und selbstverständlich nur gebrochen die Sprache ihrer Hausherrin spricht.
Die betagte Dame ist natürlich keine freundliche Oma, sondern eine garstige alte Person, die eine beginnende Demenz und einen ausgeprägten Hang zur Menschenfeindlichkeit pflegt, der gerechterweise ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In diesem «Ödipus» geht ein gezackter, mit Glas oder Plexiglas bedeckter Graben durch den Zuschauerraum (Bühne Karl-Ernst Herrmann). Wie ein Blitz des Zeus! Ob der tatsächlich mit Licht gefüllt wird? Oder Blut?
Die Zuschauerrampe ist schwarz und steil abfallend, die Bühne steht auf einem Metallgerüst, das wiederum im Wasser steht, und ist schwarz und steil...
Jahr für Jahr finden auf deutschsprachigen Bühnen mehr Ur- und Erstaufführungen neuer dramatischer Werke statt, allerorten veranstalten selbst kleinere Stadttheater Festivals mit neuen Stücken. An manchen größeren Häusern hat sich das schöne Modell der Hausautorenschaft etabliert. Dennoch gibt es in Autoren- und Verlegerkreisen größere Unzufriedenheiten mit der...
Es gibt im Leben mitunter merkwürdige Zeitschleifen. Zum Abschluss des ersten (und bisher einzigen) Kongresses der Theaterautoren 1991 in Essen wurde seinerzeit ein Forderungskatalog veröffentlicht, der neben einer Klassikerabgabe zugunsten zeitgenössischer Autoren auch die seltenen «Nachspiele» einmal uraufgeführter Werke beklagte sowie die Nischenexistenz der...
