Zartfühlender Alpen-Sherlock
Als glotzäugiger Mädchenschlitzer Schrott mit den süßen «Igeln» hat Gert Fröbe 1958 für Generationen von Fernsehzuschauern den Prototyp des Mitschnackers verkörpert. Die Verfilmung eines Dürrenmatt-Drehbuchs unter dem Titel «Es geschah am hellichten Tag» bot mit Fröbe und seinem Gegenspieler Heinz Rühmann zwei einprägsame Modelle für kranke Zielstrebigkeit unter dem Staubmantel der Wohlanständigen.
Denn auch Kommissar Matthäi, der das Kind seiner Lebensgefährtin an einer Tankstelle als Lockvogel für den Kindermörder benutzt, war nicht der Gralshüter kriminalistischer Moral, sondern eine verklemmte Nachkriegsgestalt, durchaus verhaftet dem fatalen Konstrukt der Männerehre.
Sein Triumph über das Böse allerdings schmeckte dem Drehbuchautor nicht wirklich, und so schuf Dürrenmatt noch eine Prosaversion seines Drehbuchs, das unter dem Titel «Das Versprechen» Matthäi bis zur totalen geistigen Zerrüttung auf der Lauer liegen lässt. In dieser düsteren Version, die gleichzeitig eine Reflexion über Logik und Zufall ist, hat auch Sean Penn die Geschichte mit Jack Nicholson in der Hauptrolle 2001 noch einmal verfilmt, Armin Petras schrieb 2005 eine Bühnenversion fürs Hamburger Thalia ...
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1978 «Leonce und Lena», Büchner, Volksbühne Berlin
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