Mehr Liebe!
Wenn Anne Habermehl das Unglück der Welt beschwört, gibt es kein Entrinnen. In «Letztes Territorium» wurde eine schwäbische Kleinfamilie dem sozialen Druck der Urlaubsbekanntschaft mit einem afrikanischen Bootsflüchtling ausgesetzt – mit naturgemäß fatalen Folgen für beide Seiten. In «Daddy» ist die Kleinfamilie schon in verstreute Bestandteile zerlegt, bevor alles anfängt.
Daddy Pit scheint als vermutlich alleinerziehender Vater eines Geschwisterpaares gründlich versagt zu haben.
Tochter Jenny ist Analphabetin, lebt zunächst vom Flaschensammeln, später hat sie einen Job als Pflegehelferin im Altenheim. Ihr Bruder Marco macht seinen Körper zu Kapital: als Stricher im Schwulenclub kommt er locker auf 500 Euro am Tag, wird aber gelegentlich von stürmischen Freiern zusammengeschlagen. Papa Pit – inzwischen arbeitslos und leicht verwahrlost – würde sich jetzt, wo es zu spät ist, gerne mehr um seine Kinder kümmern. Dabei schürft er schnell im Halbpoetischen, fabuliert zum Beispiel von einer «Pfuhlschnepfe». «Wildente» klingt im Vergleich noch stolz.
Apropos Ibsen und dessen bürgerfamiliäre Lebenslüge-Höllen: Es gibt noch den erfolgreichen Architekten Julian, verheiratet mit ...
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Welchen unerhörten Frevel habe ich begangen, dass ich von Stefanie Carp als «wetternder» Eiferer «mit reichlich Schaum vor dem Mund» hingestellt werde? Ich habe in einem längeren Essay die Formen des aktuellen, modischen Marx-Hypes kritisiert. Ich habe darauf hingewiesen, dass er nur so schön glatt funktionieren kann wie das gegenwärtig der Fall ist, wenn die...
Unter den drei Großstädten Sachsens gilt Chemnitz mit wenig mehr als 250.000 Einwohnern noch immer als Aschenputtel. Wahrscheinlich leidet die Stadt noch immer unter dem Nachhall jener leidigen Umbenennung im Jahre 1953, die ihr nicht nur den «Ehrennamen» Karl Marx, sondern auch den Spott der Mitwelt einbrachte, die sich höchstens auf ein schnoddriges «Kalle...
… heißt das dokumentarische Theaterstück über junge Menschen in Teheran, das Claudius Lünstedt nach einem längerem Iranaufenthalt geschrieben hat und das dem nächsten Heft beiliegen wird. Das iranische Jahr 1386 enstpricht dem westlichen 2007/2008. Im selben Jahr entstand auch dieses Foto von den schiitischen Passionsspielen Ta’ziyeh, die alljährlich im Januar...
