Wut/Bericht/Erstattung
H err Jauch, wo sind Ihre Kinder / in der Schule / sind Sie sicher» – mit diesen Worten beginnt Oliver Kluck sein Stück «Feuer mit mir», das er als Auftragswerk für das Schauspiel Chemnitz geschrieben hat. Ob man am Ende dieser Replik einen Punkt setzt oder ein Fragezeichen – zwischen diesen beiden Ausschlägen eines Pendels bewegt sich der Autor mit seinem Text und damit innerhalb eines Themas, das eine Nation erschüttern bzw. deren kulturelle Institutionen in eine tiefe Krise stürzen kann: Amoklauf an Schulen.
Doch nicht das konkrete Ereignis oder eine individuelle Täterbiografie interessieren den Autor, auch nicht der Umstand, das ein solches Ereignis nur kurze Zeit virulent ist und die Anstrengung der Ursachensuche schnell abebbt. Sein Aufhänger ist die bevorstehende Wiedereröffnung einer Schule, die in Folge eines Amoklaufes einer kompletten baulichen Umgestaltung und Modernisierung unterzogen wurde. Doch im Vorfeld lässt der Autor verschiedene Akteure zu Wort kommen. In seinem Verzicht auf die Zuordnung des Textes zu spezifischen Sprechern oder Figuren macht er Stimmen hörbar, die jenseits einer reinen Textfläche klar voneinander abgrenzbar mal direkt und mal weitläufig im ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 184
von Esther Holland-Merten
Ewald Palmetshofer kämpft. Das kann man lesen. Hier schreibt niemand, der sich seiner Sprache, seiner Themen oder seiner Kunstgriffe sicher ist. Hier fordert ein Schreiben sich heraus in neue Zusammenhänge. Schon der Titel ist eine Zumutung. Fühlt man sich vom ersten Wort beschimpft, bleibt der Satz danach ein Stummel und ist nur schwer verständlich. Und so geht es...
Einer der erstaunlichsten von vielen erstaunlichen Sätzen, die Nis-Momme Stockmann an diesem Vormittag sagt, setzt er gleich an den Anfang eines langen Gesprächs. Wir sitzen auf dem Treppenhausdach einer ehemaligen Schule, die Stockmann vor einigen Jahren mit besetzt und als konzeptioneller Leiter in ein Kunstzentrum umgewandelt hat, auf zwei weißen globalisierten...
Auf einem niedrigen Tisch liegt eine Plastikpuppe der Marke «Peggy Pickit», die als Geschenk für ein afrikanisches Kind gedacht ist. Außerdem eine aus Afrika stammende, kleine, handgeschnitzte Holzpuppe, die ein Kind der westlichen Welt bekommen soll. Die beiden Mädchen, für die sie gedacht sind, werden die Puppen wahrscheinlich nie bekommen. Das afrikanische...
