Geschichten, die man kleinen Mädchen
Auf einem niedrigen Tisch liegt eine Plastikpuppe der Marke «Peggy Pickit», die als Geschenk für ein afrikanisches Kind gedacht ist. Außerdem eine aus Afrika stammende, kleine, handgeschnitzte Holzpuppe, die ein Kind der westlichen Welt bekommen soll. Die beiden Mädchen, für die sie gedacht sind, werden die Puppen wahrscheinlich nie bekommen. Das afrikanische nicht, weil es vielleicht schon gar nicht mehr lebt, das andere nicht, weil die Holzpuppe Träger von Geschichten ist, die man kleinen Mädchen gerne ersparen möchte.
Es ist so eine Sache mit diesen zwei Welten – der so genannten «Ersten» und «Dritten». Wie umgehen mit der Ungleichheit, der Verantwortung, der Schuld? Von Kindheit an konfrontiert mit Filmen aus der Sahelzone, mit Bildern verhungernder Kinder, mit Spendenaufrufen der Böhms und Geldofs, bemühte unsere Generation ihre Konten und fühlte sich danach eventuell ein wenig besser. Auch in «Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes» geht es um Spenden und um die schon etwas seltener vorkommende Vororthilfe. Formen von Hilfe, die heute nicht mehr angebracht scheinen, da Afrika selbst sich zunehmend gegen Bevormundung, Stigmatisierung, ja sogar Mitleid wehrt und stattdessen ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 195
von Sonja Anders
Einer der erstaunlichsten von vielen erstaunlichen Sätzen, die Nis-Momme Stockmann an diesem Vormittag sagt, setzt er gleich an den Anfang eines langen Gesprächs. Wir sitzen auf dem Treppenhausdach einer ehemaligen Schule, die Stockmann vor einigen Jahren mit besetzt und als konzeptioneller Leiter in ein Kunstzentrum umgewandelt hat, auf zwei weißen globalisierten...
Es gibt eine Fotografie, die zeigt Elfriede Jelinek 1998 an der Seite von Einar Schleef auf der Bühne des Wiener Burgtheaters. Gespielt wird «Ein Sportstück». Jelinek und Schleef stehen auf einem Bodentuch, das mit einem Text bedruckt ist. Er im Frack, sie mit einer Kladde in der Hand, als seien sie Sänger und Pianistin eines Konzertabends. Vielleicht Schubert....
Die deutschsprachige Dramatik ist nicht gerade reich an gelungenen Komödien. Sei es, dass der deutsche Humor zu schwerfällig ist, dass es hierzulande zu wenig zu lachen gibt oder dass der Komödienautor als Leichtgewicht unter den Künstlern gilt. Jenseits des Boulevards hat es die Komödie nicht leicht. Brechts Versuche waren meist heitere Lehrstunden, die von Frisch...
