Wodka und Whisky
Big Brother is watching you: Im Wohnzimmer der Familie Tyrone im Hamburger Schauspielhaus hängt ihr Erfinder, der amerikanische Nobelpreisträger Eugene O’Neill, im schlichten Rahmen an der Wand, neben einem bescheidenen Kruzifix und umringt von seinen verfluchten Lieben, einer Theaterfamilie, die ihm das schwere Gepäck mit auf den Weg gab, das er 1920 in «Eines langen Tages Reise in die Nacht» bei den Tyrones ablud.
Die autobiografische Grundierung des Werks war Regisseurin Karin Henkel so wichtig, dass sie Felix Knopp, der den gescheiterten Schauspielersohn Jamie spielt, aus der Rolle treten lässt und das Mikro in die Hand drückt, um die gruselige Selbstmord- und Drogengeschichte der Künstlerfamilie O’Neill zu referieren. Befeuert vom Alleszudecker und Allesenthüller Whisky erzählt O’Neill deren Geschichte von verdeckter Schuld, unüberwindbarer Sucht, von Konkurrenz und Unentrinnbarkeit weiter in eine Familienhölle, in die ihm später Tennessee Williams und Edward Albee ausgiebig folgten.
In Hamburg werden die Zuschauer höchstpersönlich ins Innere der Hölle gebeten: auf die Bühne, ins Riesenwohnzimmer, das Thilo Reuther den Tyrones dorthin gebaut hat. Um den ausladenden Esstisch ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Barbara Burckhardt
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