Wo herrscht der Konsens
TH Das Theater lebt von Konflikten. Dabei wird leicht übersehen, dass Konflikte nicht nur trennen, sondern auch verbinden: Man ist sich zumindest über das Problem einig. Wir wollen aber einen Schritt weitergehen und ganz direkt nach Konsens fragen.
Was ist der Konsens-Kitt in unserer hoch arbeitsteiligen, funktional differenzierten Gesellschaft, was hält 80 Millionen zunehmend individualisierte Menschen zusammen, die alle ganz stolz auf ihre persönlichen Freiheiten sind?
Heinz Bude Auf den Punkt gebracht, erleben wir gerade eine große Umstellung in der Idee des Zusammenhalts unserer Gesellschaft. Wir stellen nämlich im Augenblick um von Versprechen auf Drohungen. In der langen Nachkriegszeit, die im Grunde bis zur «unerhörten Begebenheit» der deutschen Einheit ging, war die Grundidee: Wenn du deine fünf Sinne beisammen hältst, dich anstrengst und die Lebenskrisen, in die du unweigerlich gerätst, einigermaßen meisterst, dann wirst du am Ende dort landen, wo du im Nachhinein sagen wirst, dass es in Ordnung geht. Nicht, dass man unbedingt da gelandet ist, wo man hin wollte, aber es passte im Großen und Ganzen. Natürlich sind einige weggekickt, vielen ist sogar erst sehr spät ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Wo herrscht der Konsens, Seite 7
von Eva Behrendt/Franz Wille
Aktionen wie «Die Toten kommen» des Zentrums für Politische Schönheit appellieren an die unmittelbare Wirkung von Kunst jenseits institutionell verfasster Grenzen. Es gibt hier weder individuell verfasste Autorschaften noch ein erlesenes Publikum, sondern einzig ein Pathos des Allgemeinen und der Vielen, in dem sich die Überwindung der konstitutiven...
Theater heute Lieber Wolfram Lotz, Paragraph 12 ihres Manifests im Jahrbuch 2014 lautete: «Im Theater ist das Gelingen des Lebens der Arbeitenden von Bedeutung, aber nicht nur dort.» Was sind die Bedingungen für das gelingende Leben eines Theaterautors?
Wolfram Lotz Ich befürchte, es gibt kein gelingendes Leben als Theaterautor, man kann als Theaterautor...
Die Hip-Dichte war ganz enorm», mit diesem schönen Satz beginnt eine Theaterrezension der «Zeit» vom 2. Mai 1997. «Ja, es scheint so, als wäre Frank Castorfs Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz bei der Premiere von ‹Trainspotting› der hippeste place in town, denn so viel grünes Haar und Schwarzgewand, so viel Nach-Sartre-Existentialismus hinter den schwarzen...
