Wimmelbild am Amazonas
Zum Showdown kommt es vor dem allerletzten Akt. Die geladenen Gäste aus Alemanha sind da längst wieder in der Heimat gelandet, und sie haben dem theatralischen Ausflug in die allertiefste, allerheißeste Fremde ziemlich viel Echo verschafft. Erst jetzt, im zweiten Anlauf wenige Tage nach der auch schon leidlich umstrittenen Premiere von Christoph Schlingensiefs szenischer Sicht auf Richard Wagners ur-romantische Oper «Der Fliegende Holländer», kommen die wahren Fans zu Wort. Und da wird’s dann schon ein bisschen lauter.
Klartext radebrechen
Gerade nämlich sind die Trommler einer lokalen Samba-Schule ins Finale des zweiten Aktes hineingepoltert – und haben nun wirklich unüberhörbar die Vermischung der musikalischen Traditionen und Qualitäten nicht bloß eingefordert, sondern auch gleich unverrückbar markiert. Das war schon am Premierenabend Anlass zum Protest gewesen und Vorspiel für das Finale, ein nur durch das demonstrative Wohlwollen der vielen geladenen Gäste gemilderte Buh-Gewitter, das die anwesenden Wagnerianer auf Schlingensiefs nach Bayreuth zweiten Versuch mit einem Werk ihres Hausgotts und Meisters herabdonnern ließen. Denn natürlich mussten sie die plötzlich gleiche ...
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Hübsch ist es und mit seiner pseudobarocken Fassade eine jener Schatullen, in der man Andenken aufbewahrt, um gelegentlich mit der Vergangenheit zu spielen. Dass es in diesem Gebäude um Theater gehen soll, glaubt man im ersten Moment nicht, und letzten Herbst war kurzzeitig auch tatsächlich Ruhe im Karton. Die damals amtierende Oberbürgermeisterin musste das...
Es war einmal die Schweiz. Die Schweiz ist ein sehr kleines Land. Seine Medienherde grast zum größten Teil in Zürich, auf engstem Raume. Geheimtipps sprechen sich dort schnell herum, so schnell wie in olympischen Dörfern. So kam es, dass eine junge Frau in den wichtigen Wochenmagazinen beschrieben und gepriesen und zur prominenten Dramatikerin erklärt wurde,...
Marcel Proust hat einmal staunend über ein Hotel geschrieben, es sei eingerichtet gewesen «wie ein Theater», und «zahlreiche Komparserie» hätte es belebt. Im Erlanger Theater liegt der Fall genau anders herum: Da sieht man auf der Bühne einen Logierbetrieb, die Gäste im Parkett wirken wie voyeuristische Statisten, vor denen ein paar wild zusammengewürfelte Menschen...
