Willst du mich verpapageischaukeln?
Die Familie Gollwitz hat einen Vogel. Einen ziemlich großen sogar. Links neben dem roten Sofa hängt eine überdimensionale Papageienschaukel, rechts prunkt ein Meisenknödel im Netz, Durchmesser: gut ein halber Meter. Das liebe Vieh aber steht vorn an der Rampe, federt locker im Kniegelenk und krächzt flügelschlagend ins Publikum: «Gudn Aahmd!»
Der Schauspieler und Regisseur Herbert Fritsch ist der neue Curt Goetz, zumindest am Neuen Theater Halle.
Nach Goetz’ «Das Haus in Montevideo» bringt er den (auch von Goetz einst bearbeiteten) «Raub der Sabinerinnen» der Brüder Schönthan, den Schwank aller Theaterschwänke, zum Hyperventilieren: Gymnasiallehrer Gollwitz hat in seiner Jugend eine römische Tragödie geschrieben, die sich Striese, Direktor eines erfolglosen Schmierentheaters, unter den Nagel reißt, um daraus eine unfreiwillige Komödie und einen überraschenden Publikumserfolg zu machen. Bevor es dazu kommt, dreht der Gollwitz-Clan grundlos am Rad: Für Fritsch Grund genug, den sprichwörtlichen Vogel buchstäblich zu inszenieren.
In einer mehr pragmatischen als feministischen Volte hat er zudem aus Striese eine Intendantin gemacht, für die Danne Hoffmann neben ...
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