Bis später, Otto
Ein Alptraum: Der Schaffner im Zug fragt den verschmitzt aussehenden älteren Herrn nicht nach dem Ticket – sondern nach der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs. «Are you the Gestapo?», antwortet der, panisch.
Wie gesagt: nur ein Traum, aber er etabliert gleich zu Beginn von Jan Schüttes Film «Bis später, Max» zwei Themen. Das eine färbt den Hintergrund ein: Max ist Jude, das ist seine Vergangenheit. Und Max ist besessen, vom Sex, das ist seine Gegenwart, und sie ist zum Glück viel stärker als jede Gestapo-Erinnerung.
Doch leider ist Max nicht mehr der Jüngste, eher 80 als 70, und er hat Prostatabeschwerden. Auch sein Arzt, und das ist kein Traum mehr, fragt ihn, milde augenzwinkernd, nach der Häufigkeit seines Geschlechtsverkehrs. Aber ja doch, Max Kohn, der Schriftsteller, hat Geschlechtsverkehr! Wenn auch vielleicht nicht mit Reisel (Rhea Perlman), seiner liebend besorgten und mordseifersüchtigen Lebensgefährtin, die ihm den Koffer packt für seine Lesereisen und seine kleinen Verwirrtheiten und Vergesslichkeiten ausgleicht. Aber, zum Beispiel, auf einer solchen Reise nach einer Lesung vor leeren Reihen mit seiner ehemaligen Studentin Rosalie, der attraktiv desillusionierten ...
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Adolf Hitler war ein verschrobener Kerl, dem die Hände zitterten. Andreas Baader war ein ungehobelter Macho, der gern mit Pistolen fuchtelte. Claus Graf Stauffenberg war ein Aristokrat der Tat, der beinahe das Schicksal ausgebremst hätte. Die DDR war ein dekadentes Funktionärsregime, in dem Kunst nur der Anbahnung von Sex diente. Die DDR war ein Paradies mit...
Die Szene ist ein Restaurant am Abend. Draußen, vor dem großen Schaufenster, prügelt ein Mann auf eine Frau ein. Alle schauen hin – keiner macht was. Aber jeder sagt was anderes dazu. An elf Tischen verstummt für einen Moment die Unterhaltung, um dann das Ereignis zu bewerten oder eigenes Nichthandeln zu erklären. Da ist zum Beispiel die ältere Dame von auswärts,...
Peter Kastenmüller Da ist so ’ne Rubrik in «Theater heute» ... wenn man Prügel bekommen hat, melden die sich und sagen, hätten Sie mal Lust …
Ulrich Peltzer Du sollst was zu der Inszenierung von «Schwarz Gold Rot» sagen?
KastenmüllerMach ich natürlich nicht, aber ich hab gedacht, ich ruf mal an und red mit dir über Kritik.
Peltzer Klar.
Kastenmüller Liest du Kritiken?
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