Gegenkritik: Peter Kastenmüller

Peter Kastenmüller hat in Frankfurt die dreiteilige BRD-Revue «Schwarz Gold Rot» inszeniert und telefoniert mit einem seiner literarischen Zulieferer, dem Autor des Romans «Teil der Lösung», Ulrich Peltzer

Theater heute - Logo

Peter Kastenmüller Da ist so ’ne Rubrik in «Theater heute» ... wenn man Prügel bekommen hat, melden die sich und sagen, hätten Sie mal Lust …

Ulrich Peltzer Du sollst was zu der Inszenierung von «Schwarz Gold Rot» sagen?

KastenmüllerMach ich natürlich nicht, aber ich hab gedacht, ich ruf mal an und red mit dir über Kritik.

Peltzer Klar.

Kastenmüller Liest du Kritiken?

Peltzer Ja, les ich.

Und es gibt Kritiker für Film, Literatur, Theater – es sind nicht viele –, auf deren Urteil ich Wert lege, weil die eine Inszenierung, einen Film oder ein Buch am eigenen Programm messen und nicht mit vorgefertigten Haltungen daran gehen. William Burroughs hat mal gesagt, viele Kritiker erinnerten ihn an Gastrokritiker, die in einem italienischen Lokal Nudeln essen und hinterher rumrufen, ich mag kein italienisches Essen.

Kastenmüller Ich versteh bei bestimmten Kritikern auch nicht, warum die sich eine Vorstellung überhaupt ansehen. Sie müssen es ja hassen. Ihr ganzer Körper, ihr ganzes Machen und Tun signalisiert von vornherein, ich bin gegen dieses Produkt. Aber sie kommen immer wieder. Ich überlege dann immer, soll ich aus Fürsorge bei denen vorher anrufen und sagen: Bitte nicht kommen?

Peltzer Es ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2009
Rubrik: Magazin, Seite 63
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Hügelspurt statt Gipfelsturm

Allmählich ist es eine Frage wie beim Huhn und beim Ei: Wurden zuerst die neuen Stücke so kurz, dass man beschloss, sie in Fes­tivals zusammenzupacken, oder wurden die Stücke wegen des wachsenden Festivalmarktes immer kürzer? Bei der zweiten Auflage der «Schlaglichter» am Staatstheater Karlsruhe jedenfalls brachten sieben Ur- und Erstauffüh­rungen insgesamt eine...

Fukuyamas Handtasche

Was ist eigentlich aus dem «Ende der Geschichte» geworden? Dem amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama zufolge hat es bereits vor zwanzig Jahren stattgefunden, als sich der Weltgeist nach langem Ringen im Kalten Krieg schließlich für Kapitalismus und Demokratie entschied. Seither leben wir im Posthistoire – und haben vor allem Geschichte im Kopf.

Wenn...

Jetz lenk nich ab!

Die Szene ist ein Restaurant am Abend. Draußen, vor dem großen Schaufenster, prügelt ein Mann auf eine Frau ein. Alle schauen hin – keiner macht was. Aber jeder sagt was anderes dazu. An elf Tischen verstummt für einen Moment die Unterhaltung, um dann das Ereignis zu bewerten oder eigenes Nichthandeln zu erklären. Da ist zum Beispiel die ältere Dame von auswärts,...