Wildmöwe, 2. Teil

Roland Schimmelpfennig «Besuch bei dem Vater»

Theater heute - Logo

Die Deutschen sind fortpflanzungsunwillig – eine bekannte Diagnose. Roland Schimmelpfennig bietet eine originelle Erklärung dafür: Schuld sind die fortpflanzungsfreudigen Altväter. Die penetrante Präpotenz der Älteren erstickt die Fähigkeit der Jüngeren, das Leben weiterzugeben.

Schimmelpfennig konstruiert sich einen nicht unwahrscheinlichen Fall: Ein mittelalter Mann zeugt mit einer flüchtigen Bekanntschaft einen Sohn, von dessen Existenz er nichts erfährt.

Die Mutter erzählt dem Sohn, der Vater sei gestorben und stirbt selbst nach zwanzig Jahren an Krebs, nicht ohne ihrem Sohn das Geheimnis seiner Herkunft zu enthüllen und ihm die Adresse des Vaters zu geben. Damit ist die dramatische Situation etabliert: Heimkehr des unbekannten Sohnes, Konfrontation von Vater und Sohn am Kreuzweg. 

Schimmelpfennig lässt den «Fremdling mit Anspruch auf Nähe» in einen Hühnerhof platzen, der von einem ergrauten Hahn beherrscht wird. Es ist ein mecklenburgisches Landhaus, auf dem ein pensionierter deutscher Anglist mit seiner sechzigjährigen Frau, ihrer beider Tochter, einer Tochter der Frau aus ers­ter Ehe und einer Nichte lebt, außerdem kommen gerade eine alte Bekannte und ihre Tochter zu Besuch. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2007
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Gerhard Preusser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Chaos und Kanon

Marcel Proust hat einmal staunend über ein Hotel geschrieben, es sei eingerichtet gewesen «wie ein Theater», und «zahlreiche Komparserie» hätte es belebt. Im Erlanger Theater liegt der Fall genau anders herum: Da sieht man auf der Bühne einen Logierbetrieb, die Gäste im Parkett wirken wie voyeuristische Statisten, vor denen ein paar wild zusammengewürfelte Menschen...

Wenn weiße Hemden fliegen

Unter Elisabeth Schweeger ist das Frankfurter Schauspiel in den letzten Jahren ausgesprochen projektlustig geworden. Die Verpflichtung der französischen Choreografin und Thea­termacherin Wanda Golonka als Hausregisseurin war dabei programmatisch, denn mit Golonka leistet sich Schweeger die konzertierte Abweichung. Normalen Spielbetrieb sucht man in ihren...

Die Haltbarkeit von Erfolg

Im Sommer des Jahres 1994 saß ich an einem besonders heißen Tag auf einer Parkbank und schaute einem aufgebrachten Schwan dabei zu, wie er einen Mann quer über den Rasen jagte. Er gab dabei böse Laute von sich, und der Mann schlug Haken und flitzte, als nichts zu helfen schien, bei Rot über die Straße. Komischerweise blieb der Schwan stehen, drehte sich um und...