Wie geht Charme?
Lieber Otto, der Beweis Deines ewigen Daseins ist, dass Du jetzt da bist. Daher tut es mir umso mehr leid, dass ich wegen einer Magenlappalie bei Deiner Trauerfeier abwesend bleibe. Wie gern hätte ich allen Dich verehrenden und liebenden Menschen zugehört und Dir dabei zugeschaut in Deiner – Du wirst es womöglich noch als Geschenk erleben – großen Ruhe.
Ich glaube, die Toten leben lang, und einem Rationalisten würde ich erwidern, wir denken mehr an sie – die Toten –, als wenn sie noch lebten: So erscheinst Du jetzt mehr, als Du je erschienen bist.
Otto, das will was heißen!
Ich hatte das Glück, mit Dir vier Mal zu arbeiten, darunter eine Uraufführung und eine Zweitaufführung von Botho Strauß: «Kalldewey Farce» und «Schlußchor». Ich glaube, bei beiden Stücken hat der Dichter an Dich gedacht – und zu Recht.
Bei «Kalldewey Farce», der ersten Komödie des Zerfalls einer selbstgefälligen Gesellschaft der Siebzigerjahre, überlegtest Du Dir, wie Buster Keaton gewesen wäre, hätte er gesprochen.
Da konntest Du so wunderbar komisch das Opfer dreier Frauen spielen, das kurz vor Stückende noch in die Waschmaschine kommt.
Bei «Schlußchor», dem großen Stück zur Wiedervereinigung Deutschlands, ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Abschiede, Seite 42
von Luc Bondy
Denn schnell und spurlos geht des Mimen Kunst» – den Klang der Stimme, die diese Worte sagte, habe ich noch im Ohr, es war wie eine Urteilsverkündung, jedoch ohne Revision – «dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze …». Und doch wandelte sich die apodiktische Haltung in eine Verheißung: «Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.»
Walter Schmidinger sprach...
In der Kritikerumfrage des aktuellen «Theater heute»-Jahrbuchs wurde in der zweifellos interessantesten Rubrik «Ärgerlichste Erfahrung des Jahres» dreimal mehr oder weniger explizit Bühnenwatch genannt, ein loser Zusammenschluss von Geistes- und Kulturarbeitern. Als Erklärung werden «fehlgeleitete Sittenwacht», «PC-Gesinnungspolizei» und «Gesinnungspauschalismus»...
Der deutsche Märchenwald ist ein tückisches Biotop; vor allem kommt darin immer alles anders, als man erwartet. In Wilhelm Hauffs «Wirtshaus im Spessart» zum Beispiel, einer Schlingpflanze von Rahmenerzählung, sitzen ein paar schlotternde Gestalten bis nachts um zwei in einer Schänke und erzählen sich aus Angst vor einem Räuberüberfall Geschichten, damit sie nicht...
