Wie frei ist die Freie Szene?
Gerald Siegmund Der Begriff der Freien Szene wurde in Deutschland mit Verspätung in den 1980er Jahren geprägt, wo er verbunden war mit einem bestimmten soziokulturellen Milieu, für das freies Theater in Abgrenzung zum institutionellen Stadt- und Staatstheater stand. Die Abgrenzung erfolgte in Bezug auf Themen, Ästhetiken, Spielweisen und verstärkt seit den 1990er Jahren auch im Hinblick auf die Produktionsweisen der Gruppen.
Macht diese Trennung in Freie Szene und Stadttheater heute noch Sinn?
Martine Dennewald Wenn ich als Ausländerin von außen draufschaue, frage ich mich, was diese Freie Szene heute eigentlich ist. Von ihren Produktionsweisen her betrachtet, sind schätzungsweise 90 Prozent der Künstler, die in Frankfurt leben und arbeiten, «freie» Künstler. Das bedeutet, dass wir von einer Mehrheit sprechen und nicht mehr länger von einer Minderheit oder einer Außenseiterposition zu etwas Etabliertem. Meiner Erfahrung nach entscheidet sich die jüngere Generation von freien Theaterkünstlern nicht mehr gegen eine Institution wie das Stadttheater, sondern sie beansprucht ganz selbstverständlich und selbstbestimmt gewisse Merkmale dieses freien Arbeitens wie Produktionsstrukturen, ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Freie Szene, Seite 36
von Gerald Siegmund
Ein Tunnel aus Nebel windet sich in die Tiefe des Raums. Einzelne Gestalten schälen sich aus dem Dunst, werfen groteske Schatten, beginnen zu tanzen, trudeln in den dunklen Schlund oder werden von ihm ausgespien. Zwischen jeder Szene taucht dieser Spuk erneut auf, wie ein düsterer psychedelischer Trip. Thomas Krupa entwirft in seiner Inszenierung von Noah Haidles...
Die Welt ist nicht untergegangen, neulich, als es eigentlich soweit hätte sein sollen. Etwas verspätet kann deshalb nun der bibelfeste Regisseur Ulrich Rasche in Stuttgart zeigen, wie die Apokalypse nach christlicher Lesart aussieht. Wo die Mayas nur ein Datum hinterlassen haben, aus dem ein schwäbischer Hollywoodregisseur immerhin mal ein ganzes Weltende in...
Weil man nicht damit rechnet, will man es zunächst nicht wahrhaben. Nur eine gewisse Irritation stellt sich sofort ein: Die Stimmen klingen ein wenig zu laut, wie mit Mikroport, und die ohnehin sparsamen Bewegungen passen nicht immer zum Atemrhythmus der Sätze, bis sich allmählich die Frage ins Hirn drängt: Spricht da überhaupt wer? Am Ende vergewissert man sich...
