Essen: Spiel zwischen Leichen
Ein Tunnel aus Nebel windet sich in die Tiefe des Raums. Einzelne Gestalten schälen sich aus dem Dunst, werfen groteske Schatten, beginnen zu tanzen, trudeln in den dunklen Schlund oder werden von ihm ausgespien. Zwischen jeder Szene taucht dieser Spuk erneut auf, wie ein düsterer psychedelischer Trip. Thomas Krupa entwirft in seiner Inszenierung von Noah Haidles «Skin Deep Song» am Schauspiel Essen ein surreales Endzeitszenario in faszinierend verstörenden Bildern.
In dem Stück des New Yorker Theater- und Drehbuchautors hat die Apokalypse bereits stattgefunden, die Schwestern Woden und Mimi streifen durch eine Trümmerlandschaft. Von Ferne tobt der Krieg, «nichts lebt». Ihre Eltern haben sie bei einem Attentat verloren, schleifen aber immer noch ihre Leichen hinter sich her. Um sich ihr Leid erträglicher zu machen, erzählen sie sich Witze oder tauchen in Rollenspiele ein, bei denen sie den Mord an den Eltern durchspielen. Auch den etwas langsamen gleichaltrigen Hal, der in diesem Krieg kämpfen muss (und auch in ihm sterben wird), beziehen sie mit ein. In Rückblenden sieht man sie beim Dauerfeiern mit ihren durchgeknallten Eltern, der Royal Family, die anscheinend den Krieg ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Natalie Bloch
Die Vereinsamung in der Masse der Großstadt, die Strategie des Kampfes durch Unterwerfung, die Kritik an der Unzulänglichkeit der Sprache: Brecht hat in seinem Frühwerk die verschiedensten Motive, Gedanken und Stile zusammengewirbelt. Zum Teil ging es ihm auch gar nicht um Gedanken, sondern nur um «scharfe» Formulierungen, um die Übertragung des rebellischen...
Man muss genau hinschauen, wenn man der Kommunalpolitik ihren eigenen Heroismus ablesen will. Etwa so wie Rimini Protokoll anno 2005 in ihrer Schiller-Adaption «Wallenstein», in der sie den von eigenen Mannen gestürzten Stadtrat Dr. Sven Joachim Otto als Wiedergänger des kaiserlichen Generals vorstellten. Noch tiefer im lokalen Handgemenge erkennt man das...
Noch hat Karin Beier die Intendanz am Hamburger Schauspielhaus nicht angetreten, aber der Hype lässt sich schon anfeuern. Zum Beispiel so: «Spiegel»-Autor Wolfgang Höbel hat eine Art Biografie der Theaterleiterin und Regisseurin geschrieben. Mit gerade mal 47 Jahren ist man zwar eigentlich noch nicht biografietauglich – aber seit Beier ab 2007 das vollkommen am...
