Magdeburg: Politpointillismus
Man muss genau hinschauen, wenn man der Kommunalpolitik ihren eigenen Heroismus ablesen will. Etwa so wie Rimini Protokoll anno 2005 in ihrer Schiller-Adaption «Wallenstein», in der sie den von eigenen Mannen gestürzten Stadtrat Dr. Sven Joachim Otto als Wiedergänger des kaiserlichen Generals vorstellten. Noch tiefer im lokalen Handgemenge erkennt man das Heldentum der Fußsoldaten, nicht in der Ausnahmesituation, sondern im Regelfall: in alltäglichen entsagungsvollen Paragraphenritten, in kräftezehrenden Sitzungsstunden mit viel Gezerre um Allianzen.
In diesen Niederungen ist Kai Ivo Baulitz’ Politsatire «Die Fraktion» angesiedelt. Auch hinter Baulitz’ Werk liegt, ähnlich wie bei Rimini Protokoll, Recherchearbeit. Parlamentsakten haben er und das Magdeburger Team gewälzt, Interviews geführt und die ältere und neuere Stadthistorie Magdeburgs untersucht. Einige Ergebnisse dieser Arbeit vermittelt der begleitende informative Audio-Walk «Hört auf diese Stadt!». In der fiktionalen Verarbeitung hat sich Baulitz dann von den konkreten Bestandsaufnahmen gelöst und eine leichte, kluge Parabel auf demokratische Basisarbeit als solche verfasst.
Die Errichtung einer Stele schlägt sein ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Christian Rakow
Ein Tunnel aus Nebel windet sich in die Tiefe des Raums. Einzelne Gestalten schälen sich aus dem Dunst, werfen groteske Schatten, beginnen zu tanzen, trudeln in den dunklen Schlund oder werden von ihm ausgespien. Zwischen jeder Szene taucht dieser Spuk erneut auf, wie ein düsterer psychedelischer Trip. Thomas Krupa entwirft in seiner Inszenierung von Noah Haidles...
Alles ist verzerrt. Eine Landschaft aus Sitzmöbeln auf weißem Teppich füllt das Braunschweiger Kleine Haus über den gesamten Zuschauerraum bis an die ebenfalls mit weißem Stoff bespannten Wände der Bühne aus. Dazwischen eine einzige Wohnzimmerlampe, ein Flügel und überall Zuschauer, die schon vor Beginn der Show von Tochter Isabelle (Ursula Hobmair) zum Eintreten...
Auf der Bühne liegt ein großes schwarzes Ding. Es liegt die ganze Zeit da, ohne dass je deutlich würde, was es überhaupt ist. Das Ding könnte ein riesiger alter Scheinwerfer sein, vielleicht irgendwas Militärisches oder auch etwas ganz anderes. Egal: Offensichtlich hat das Ding ohnedies bloß Symbolcharakter. Es steht für etwas, was irgendwann passiert ist und jetzt...
