Wie ein Mensch zerbrochen wird
Der Kanonenschuss, der am Schluss des Stücks fällt, kündigt am frühen Morgen des 12. April 1861 den Beginn des Sezessionskrieges an. Von Politik war zuvor ausgiebig die Rede in Julien Greens Drama «Süden», entstanden 1951/52, und die erste Leiche liegt bereits auf dem Boden des Salons der Plantage Bonaventura in Südcarolina: Leutnant Ian Wiczewski, der die blaue Uniform des Nordens trägt, starb indes auf einem sehr privaten Schlachtfeld, als Opfer einer uneingestandenen homoerotischen Leidenschaft.
Die Diskussionen über die Sklavenhaltung und deren «liberale» oder autoritäre Modulierung sind in Greens elliptischem Text nur eine dünne Folie über den Abgründen sexueller Verstrickung, von denen eigentlich zu handeln wäre.
Die Zuschauer im Düsseldorfer Kleinen Haus sehen filmreifes Südstaatenflair, einen üppig ausstaffierten, in dunklem Rot angemalten Salon mit einigen richtigen Schwarzen darin (Bühne: Paul Lerchbaumer) – und sie sehen gleichzeitig nichts, weil der Regisseur Patrick Schlösser offenbar nicht mehr gelesen hat, als in den Zeilen des Textes steht, die er brav und mechanisch herunterspielen lässt. Ein Fall von seltsam hochmütiger Naivität.
Was wäre zu erzählen? Eine ...
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