Wessen Leben zählt?

Darja Stocker «Nirgends in Friede. Antigone»

Theater heute - Logo

Ein Schlüsselstein der neuen Basler Dramaturgie ist Darja Stockers neues Stück. Mit «Nirgends in Friede. Antigone» befragt die Schweizer Dramatikerin einerseits das Narrativ des antiken Mythos neu, andererseits dient ihr die sophokleische Tragödie auch als metaphorische Folie, um die Herrschaftslogik der gegenwärtigen Welt- bzw. Europapolitik in Frage zu stellen. Mit Theben ist die Festung Europa gemeint und der Krieg, der außerhalb der Mauern tobt, ist auch als jener zu verstehen, der gerade an den europäischen Außengrenzen herrscht.

Dort, wo Europas Grenzschutzpolitik tausende Flüchtlinge dazu zwingt, auf gefährlichen Seewegen ihr Leben aufs Spiel zu setzen.

Ausgangslage für Darja Stockers Auseinandersetzung mit dem Labdakiden-Stoff ist der Konflikt zwischen den Zwillingsbrüdern Eteokles und Polineikes um die Herrschaft von Theben. Als Nachkommen von Ödipus haben beide per Geburt Anrecht auf den Thron.

 

Während Polineikes enterbt, verbannt und selbst über seinen Tod hinaus entwürdigt bleibt, erhält der Bruder Eteokles ein ehrenvolles Begräbnis und wird für die Verteidigung seines Geburtsrechts als Held gefeiert. 

 

Wie kommt es, dass manche Menschen dabei unterstützt werden, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 196
von Sabrina Hofer

Weitere Beiträge
Goldene Brücken

Sie haben alles richtig gemacht: Gerd, 57, Leitender Ingenieur in einem Baukonzern, liberal, witzig, lösungsorientiert, und Bettine, 51, ehemals im Marketing beschäftigt, reflektiert, empathisch, fürsorglich – er, als er auf eine weitere Stufe der Karriereleiter verzichtete, indem er aus den USA nach Deutschland zurückkehrte, sie, als sie vor zehn Jahren die...

Die toten Kunden

Nach seinen ersten beiden Stücken «am beispiel der butter» und «dosenfleisch», ist «der herzerlfresser», eine Auftragsarbeit für das Schauspiel Leipzig, nun bereits der dritte Text, den der Autor Ferdinand Schmalz nicht nur einem Publikum mit speziellen kulinarischen Gelüsten schenkt. 

Ein neues Einkaufszentrum entsteht, auf Sumpf gebaut, in einer Kleinstadt, die...

Autonomie und Aktivismus

Aktionen wie «Die Toten kommen» des Zentrums für Politische Schönheit appellieren an die unmittelbare Wirkung von Kunst jenseits institutionell verfasster Grenzen. Es gibt hier weder individuell verfasste Autorschaften noch ein erlesenes Publikum, sondern einzig ein Pathos des Allgemeinen und der Vielen, in dem sich die Überwindung der konstitutiven...