Wer steht für was?

Das Festival Theaterformen unterläuft in Hannover übliche Repräsentationsmuster mit Inszenierungen u.a. aus Simbabwe, Südafrika, Kolumbien, Rumänien und Deutschland – und alle von Frauen

Theater heute - Logo

Ah, we’re in Europe now!», ruft Nora Chipaumire, «nobody talks!» Oh ja, wir sind in Europa. Mitten in Europa. In Hannover, genau gesagt, einer ziemlich mittelmäßigen Stadt, wie es später in einem anderen Stück heißen wird, beim Festival Theaterformen. Doch erstmal finden wir uns im Boxring einer Künstlerin wieder, die aus Simbabwe stammt und heute in New York City lebt, und die das Publikum ziemlich lautstark angeht – mit einem Schulterpanzer aus dem American Football und Schweißerbrille bewehrt und mit klarem Blick.

Denn Nora Chipaumire moderiert einen Kampf an. Einen Kampf, der sich als Ringen ihrer selbst mit einem Wiedergänger ihres Vaters entpuppen wird, und damit auch mit der Konstruktion des «schwarzen Mannes». Herausgefordert wird dabei aber auch die zuschauende weiße, mitteleuro­päische Menschheit.

Nora Chipaumire: im Boxring der Identitäten

Denn beim Festival Theaterformen, das alternierend in Braunschweig und Hannover stattfindet, wird dieses Europa gleich in einer ganzen Reihe von Produktionen angesprochen und befragt – sei es als Gegenspieler der «Zweiten Welt», als Sehnsuchtsort und Fluchtpunkt, als Wertemaßstab für Identitätszuschreibungen wie bei Chipaumire oder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2017
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Esther Boldt

Weitere Beiträge
Es muss im Leben mehr als alles geben

Robert Walser ist ein großer Wahlverwandter von Anne Lepper. Aus seiner Feder gibt es bekanntlich zahlreiche Prosastücke, die sich mit dem Theater beschäftigen. Aus seinem Text «Lüge auf die Bühne» möchte ich zitieren, um gleich zu Anfang etwas festzustellen:

«Wir leben jetzt in einer merkwürdigen Zeit, wiewohl vielleicht alle Zeiten irgend so etwas...

Berlin: Liederbuch des Monströsen

Ganz zum Schluss erwischt er einen dann doch noch, der Moment emotionaler Überwältigung. Ein Distanzverlust, der die Kontrolle der körperlichen Reaktionen vorübergehend dem vegetativen Nervensystem überlässt – Gänsehaut. Denn auf der Bühne ereignet sich ein Temperatursturz: Der gerade noch ausgesprochen lebendige Chor steht jetzt still in fahlem Licht, die Menschen...

Hamburg: Im Glaskasten der Diversität

Hannah (Carlotta Freyer) hat verstanden, wie der Hase läuft. «Du denkst, du hörst die Nachrichten», erklärt sie, «aber was du hörst, ist ein Echo!» Wir sind gefangen in Filterblasen, in denen die eigene Meinung wieder und wieder bestätigt wird, bis wir glauben, eine allgemein gültige Position zu hören. Bühnenbildnerin Katja Eichbaum hat für diese Echokammer ein...