Weltgemeinschaft der Wirbeltiere
Die Eiszeit steht vor der Tür, eine Sintflut verwüstet die Erde, aus dem Weltkrieg kehren traumatisierte junge Männer heim und drohen damit, «die halbe Welt» umzubringen. Der amerikanische Schriftsteller (und homosexuelle Christ) Thornton Wilder entwarf solche Horrorszenarien, um ihnen mit gepflegtem Optimismus gegenüberzutreten: «Wir sind noch einmal davon gekommen» heißt sein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Stück von 1942, in dem die prototypische Kleinfamilie Antrobus nach jeder Katastrophe beherzt noch einmal von vorn anfängt.
Die Mauer ist gefallen, der Kalte Krieg ist ausgekämpft, der Kapitalismus hat auf der ganzen Linie gesiegt. Für den sächsischen Dichter und Dramatiker Heiner Müller, dem das Leben zwischen den ineinander verkeilten ideologischen Blöcken ein Quell der Inspiration gewesen war, ein Horrorszenario: Er reagierte auf den Zusammenbruch der DDR mit einer beherzten Schreibblockade, die er nur noch ausnahmsweise durchbrach, etwa um Helmut Kohls «blühenden Landschaften» ein sarkastisches «In den Zeiten des Verrats/sind die Landschaften schön» entgegenzuhalten.
Gegensätzliche Apokalyptiker
Aus den gegensätzlichen Apokalyptikern Wilder und Müller hat das ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Eva Behrendt
Man muss genau hinschauen, wenn man der Kommunalpolitik ihren eigenen Heroismus ablesen will. Etwa so wie Rimini Protokoll anno 2005 in ihrer Schiller-Adaption «Wallenstein», in der sie den von eigenen Mannen gestürzten Stadtrat Dr. Sven Joachim Otto als Wiedergänger des kaiserlichen Generals vorstellten. Noch tiefer im lokalen Handgemenge erkennt man das...
Als vor zehn Jahren das erste «100° Berlin»-Festival über die Bühnen des HAU und der Sophiensaele tobte, war alles Tohuwabohu. Ehrgeizige Theaterwissenschafts–studentInnen brannten darauf, vor Publikum ihr frisch erworbenes Wissen anzuwenden, hochmotivierte Dilettanten präsentierten ihre Passionsspiele, ergraute Szene-Hasen, denen nach Jahren der Förderhahn...
Alles ist verzerrt. Eine Landschaft aus Sitzmöbeln auf weißem Teppich füllt das Braunschweiger Kleine Haus über den gesamten Zuschauerraum bis an die ebenfalls mit weißem Stoff bespannten Wände der Bühne aus. Dazwischen eine einzige Wohnzimmerlampe, ein Flügel und überall Zuschauer, die schon vor Beginn der Show von Tochter Isabelle (Ursula Hobmair) zum Eintreten...
