Warteraum der Verlorenen
Das Rauschen des Meeres. Rhythmisch schwanken die verlorenen Menschen hin und her, während die Musiker den Takt vorgeben. Eine Frau in Weiß (Claudia Iglesias Ungo) taucht auf der Kante des verrotteten Schwimmbadbunkers auf, zieht geisterhaft ihre Kreise, während zwei Immigranten (Robin Sondermann und Alexander Swoboda) ihr zusehen, aber aus Angst vor Entdeckung der Selbstmörderin nicht helfen. Es sind Schwarzafrikaner, so viel verrät der Text, aber auf der Bühne sehen wir zwei Weiße, in schlichter Kleidung, untere Mittelschicht vielleicht.
Dea Lohers Text ist ein versponnenes Gewebe verschiedener Einzelschicksale, die gemeinsam ein düsteres Weltbild ergeben, eine Verhandlung von persönlicher Schuld und Unschuld am Rande unserer Gesellschaft. Dieser Bühnenraum ist eine Mischung aus Warteraum mit Metallstühlen und Müll in den Ecken, einem Bunker mit Kontrollraum, von dem aus vielleicht in Lampedusa die Festung Europa bewacht wird, und einem längst leergelaufenen Swimmingpool mit Leiter und einem riesigen Loch als Abfluss in der Mitte (Bühne: Rimma Starodubzeva).
Wie in diesem Loch im Bühnenboden eine Familie wohnt, ihre Matratze hin- und herschiebt, die Mutter (Gabriele Möller-Lukasz) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2013
Rubrik: Chronik Bremen, Seite 55
von Alexander Kohlmann
Es gibt da nichts zu beschönigen. Schon das erste Drittel des letzten Säkulums hätte gereicht, um dem Titel «Jahrhundert der Katastrophen» traurige Ehre zu machen. Der französische Arzt und Skandalautor Louis-Ferdinand Céline war der erste, der das in seinem 1932 erschienenen Debutroman «Reise ans Ende der Nacht» schonungslos verkündete, mit einer Sprache, die wie...
In der Royal-Court-Bar wächst gegen alle Schwerkraft Rasen an der Wand. Steht plötzlich eine improvisiert zusammengeklopfte Mini-Bühne mit Fähnchen zwischen den Tischen und dem Edel-Beton. Es gehen E-Mails durch die Networks junger Londoner Theatermacher, dass noch ein paar Lücken im «Open Court»-Programm offen seien, man solle sich doch mit Ideen melden. Im Royal...
Mit Dimiter Gotscheff ließ sich besser schweigen als reden. Als hätte er seinen Augen mehr getraut als Worten. Wenn Gotscheff zu reden begann, rau und warm, war es stockend, tastend. Ein Kampf, etwas über die Lippen zu bringen. Mehr Skepsis als Phlegma. Keine Floskeln und griffigen Formeln, keine Manöver. Keiner unserer Theater-Muntermacher, Alleskönner und...
