Vorsicht, Regie!
Für ein Festival, das auf junge Regie abzielt, wie das heuer zum elften Mal vom Münchner Volkstheater ausgerichtete «Radikal jung», ist diese Produktion in gewisser Weise ein Must-have mit Knock-out-Risiko. «Regie», konzipiert von der Gruppe Monster Truck in Zusammenarbeit mit dem Theater Thikwa, überträgt drei professionellen Performern mit Down-Syndrom die Inszenierungshoheit und entfacht damit ein Kreuzfeuer voyeuristischer Blicke, stellt eingefahrene Hierarchien auf den Kopf oder zumindest in Frage und erzeugt durchaus gemischte Gefühle.
An der Vorgängerproduktion «Dschingis Khan» (ebenfalls bei «Radikal jung» zu sehen) entzündete sich 2012 die Debatte, inwiefern Menschen, die man vor einiger Zeit noch als «mongoloid» bezeichnet hätte und die hier im zitierten Format einer Völkerschau und dirigiert von einer Art pädagogischer Dompteuse nach allen Regeln des Klischees Mongolen darstellen, in einem anderen Sinne «benutzt werden», wie sich ein Kritiker ausdrückte, als «normale» Schauspieler in jeder x-beliebigen Theateraufführung.
«Regie» dreht die Schraube eine Windung weiter, indem die drei nun ihrerseits als Regisseure auftreten und dabei ganz buchstäblich machen, was ...
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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Silvia Stammen
An irgendeinem Tag im Jahr 1983 findet der Schauspieler Michael Degen nach einer Vorstellung in der Garderobe des Theaters im liechtensteinischen Vaduz einen Zettel ohne Unterschrift. Man erwarte ihn im Foyer. In einer dunklen Ecke entdeckt er dort eine Gestalt und erkennt in ihr Oskar Werner, «den ich als mein Vorbild bezeichnet hätte – wäre ich unbescheidener...
Der Titel würde auch zu einem Fantasy-Blockbuster oder einem Computerspiel passen, in dem es um archaische Gemetzel und endlose blutige Machtkämpfe geht. Doch diese «Dark Ages» gehören keinen ominösen Cyberwelten und auch keiner sagenhaften Vergangenheit an. Die dunklen Zeiten, die hier zur Debatte stehen, sind Teil unserer eigenen europäischen Realität, Gemetzel...
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