Das Ende der Zentralperspektive

Milo Rau erforscht am Marstall den Kriegsschauplatz Europa, und Johan Simons gibt an den Münchner Kammerspielen ein letztes Mal den Geschichtenerzähler

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Der Titel würde auch zu einem Fan­tasy-Blockbuster oder einem Com­puterspiel passen, in dem es um archaische Gemetzel und endlose blutige Machtkämpfe geht. Doch diese «Dark Ages» gehören keinen ominösen Cyberwelten und auch keiner sagenhaften Vergangenheit an. Die dunklen Zeiten, die hier zur Debatte stehen, sind Teil unserer eigenen europäischen Realität, Gemetzel und Machtkämpfe inbegriffen, vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute.

Zu deren Erforschung ist Milo Rau nach seinen Aufsehen erregenden Reenactments zu kol­lek­tiven, individuellen und staatlichen Gewalteska­lationen wie «Hate Radio», «Breiviks Erklärung» bis zu den «Moskauer Prozessen» gegen Pussy Riot nun gerade dabei, ein neues thea­trales Instrumentarium zu entwickeln – diesmal sogar mit vorsichtigen Anleihen aus der klassischen Dramenliteratur.

Beim Brüsseler Kunstenfestival im letzten Jahr startete die Europa-Trilogie mit «The Civil Wars» (siehe TH 1/15), das die Affinität bürgerlich sozialisierter Jugendlicher zu terroristischem Extremismus wie dem IS ins Visier nahm. Der zweite Teil, «The Dark Ages», hatte nun als Produktion des Residenztheaters in Zusammenarbeit mit Raus International Institute of Political ...

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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Silvia Stammen

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