«Vorbilder hat man immer»
Franz Wille Herr Hübner, Sie haben es mit Ihrem Stück «Ehrensache» bis vors Bundesverfassungsgericht gebracht. Was ist das für ein Gefühl?
Lutz Hübner Daran muss ich mich erst noch gewöhnen. Dass es eine solche Lawine wird, war ja vor zwei Jahren, als es losging, noch nicht abzusehen. Ich brauchte auch Zeit, um zu verstehen, dass es überhaupt ein Fall für die Justiz ist.
FW Das hat Sie völlig überrascht?
Hübner Bei diesem Stück: ja.
Beim «Bankenstück» über den Beinahe-Bankrott der Berliner Bankgesellschaft hatten wir eher damit gerechnet, dass es Ärger geben könnte, aber bei «Ehrensache» hat das niemand erwartet.
FW Der Anlass war der «Hagener Mädchenmord» im Jahr 2004; damals wurden zwei 14-jährige Schülerinnen von türkischen Mitschülern niedergestochen. Sie haben den Fall als Handlungsgerüst für Ihr Stück genommen.
Hübner Ich habe mich an diesem Fall orientiert, weil es eine extrem theatralische Situation war: ein Ausflug, vier Personen, zunehmende Eskalation. Damit bin ich fiktiv umgegangen, habe den Fall als Rahmenhandlung benutzt, aber eigene Figuren erfunden. Der Vorwurf war letztendlich, dass ich die authentischen Personen porträtiert und negativ dargestellt hätte. Es hieß: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Christine Schorn spielt die Mutter, und sie stattet ihre Figur selbst in dieser unwürdigen Situation noch mit der Portion Hochmut aus, die die Helfende an ihrer Seite klein hält. Corinna Harfouch als Tochter Iris zeigt das Zwiespältige der intimen Hilfsgeste, die sie dazu zwingt, Grenzen zu überschreiten, die sie lieber gewahrt wissen wollte. Zusammen sind sie ein...
Das Schauspielhaus liegt in Wien-Alsergrund, also mitten in Dodererland. Der Wiener Schriftsteller Heimito von Doderer (1896–1966) hat den neunten Bezirk mit seinem Roman «Die Strudlhofstiege» (1951) in die Literaturgeschichte eingeschrieben. Und das Schauspielhaus in der Porzellangasse befindet sich mitten am Schauplatz: Melzer, der Held des Romans, wohnte ein...
Als er im Mai den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts in Empfang nahm, war er mit seinen glatten Wangen und dem wohlgeordneten Haar noch der Schwarm aller Schwiegermütter. Inzwischen umweht ihn ein Hauch von Grunge, und es sind eindeutig die Töchter der Schwiegermütter gemeint, wenn Volker Schmidt mit Bart und langem Haar auf der Bühne einer Kommune...
