Stadt zum Stück
Als er im Mai den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts in Empfang nahm, war er mit seinen glatten Wangen und dem wohlgeordneten Haar noch der Schwarm aller Schwiegermütter. Inzwischen umweht ihn ein Hauch von Grunge, und es sind eindeutig die Töchter der Schwiegermütter gemeint, wenn Volker Schmidt mit Bart und langem Haar auf der Bühne einer Kommune erscheint, die wie die Stadt zum Stück wirkt.
In Heidelberg gibt es eine Ballung der edlen Wohnviertel, die Schmidt in Wien ausfindig machte und in denen ein Jugendlicher wie Thomas dezent orientierungslos durch die Gegend schleichen kann. Ein Flatrate-Trinker ist der Junge nicht, dafür zeichnet er gern Tote und steigt mit der Innenarchitektin Anna ins Bett, obwohl sie seine Mutter sein könnte und er auch zarte Gefühle für ihre Tochter hegt.
Anna bekommt ihr Leben nicht mehr in den Griff. Schuld daran könnte der frühe Tod ihres Zweitgeborenen sein. Der Kleine ertrank im Gartenteich. Sie weiß allerdings auch, dass ihr Gynäkologengatte Manfred ein Verhältnis mit Franziska, der Mutter von Thomas, hat. Die ist Filmaustatterin und kuschelt seit neuestem auch mit dem Werbefilmer Albert, der ihr blöde Feigwarzen verpasst hat, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Still war es um ihn geworden in den 90ern, als hätten das Ende der Ära Strauß und die Wiedervereinigung seine Interventionen überflüssig gemacht. Und damit ihn, den Filmemacher, Dramatiker, Lyriker, Romanautor, Maler, Bildhauer, Theaterregisseur, Grantler und Provokateur: Herbert Achternbusch, Universalkünstler, Anarchogenie, Poète maudit. Doch nun scheint sich...
Irgendwann Anfang der siebziger Jahre, so genau erinnert sich keiner der Beteiligten, strichen zwei Männer mit hochgekrempelten Hosenbeinen an den überfüllten Stränden von Sosopol entlang. Der eine rief ständig «Margit», während der andere sich nach «Jürgen» heiser schrie: Heiner Müller und Dimiter Gotscheff hatten sich an der bulgarischen Schwarzmeerküste locker...
Selten spielt ein Film über einen erfolgreichen Bühnenkünstler so viel im Wald. Nicht etwa im Wald als einem romantisch aufgeladenen Sehnsuchtsort und Schauplatz dramatischer Weltliteratur, sondern ganz nüchtern als landwirtschaftliche Nutzfläche, als Ort von Arbeit im engeren Sinn, denn seinen «Nebenberuf» Schauspieler hat Josef Bierbichler, Sohn einer Bauern- und...
