Voll depri
Hoch die Flaschen! Zu feiern haben sie nichts, zu ertränken einiges. Sie sind noch nicht alt und doch schon ziemlich am Ende. «Total am Arsch», nennen das die einen, am «Perspektivenminimum» die anderen. Ein lausiges Lebensgefühl haben die Polin Dorota Maslowska (Jahrgang 1983) und der Österreicher Ewald Palmetshofer (Jahrgang 1978) ihrer Generation da abgelauscht. So sehr sich Sprache und Setting ihrer Stücke «Zwei arme, polnisch sprechende Rumänen» und «wohnen. unter glas» auch unterscheiden: Ihre Diagnose zum Zustand der Umdiezwanziger und -dreißiger klingt doch sehr ähnlich.
Ziemlich trostlos. Und ganz schön komisch.
Vor fünf Jahren waren beide Dramen erstmals auf deutschen Bühnen zu sehen. Abseits des Uraufführungshypes sucht das Aachener Theater in den frühen Werken der bekannten Noch-Nachwuchsautoren jeweils ihren ganz eigenen Sound.
Bier und Wodka fließen in der «jungen» Spielstätte Mörgens. Dort irren die armen Rumänen Dschina und Parcha zugedröhnt per Anhalter durch die polnische Provinz. Ein Road-Trip mit «Tschick»-Charme, nur härter. Vielleicht ist sie eine Alleinerziehende und er ein Fernsehschauspieler? Psychopathen? Das bleibt im Stück schön und gefährlich in der ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Jenny Schmetz
Weiß, oval, eng und weit. Es ist ein Raum irgendwo zwischen White Cube und Gladiatorenarena, den sich Sebastian Hartmann zum Ende seiner Intendanz für seine Leipziger Festspiele ins Centraltheater gestellt hat. Ein Totaltheater, dem nicht nur die Stühle des Zuschauerraums, sondern auch der Deckenleuchter einem riesigen Scheinwerfer weichen musste. Bis zu 200...
Angehängt an Wolfram Lotz’ Theaterstück «Der große Marsch» ist eine frisch delirierende «Rede zum Unmöglichen Theater», die man jedem Schauspielschüler, dem sie nicht sowieso schon aus dem Herzen spricht, an den Garderobenspiegel pinnen möchte. Es geht los mit «Die Würstchen der Wahrheit, die für uns gebraten werden, wollen wir nicht mehr essen!», dann verflucht...
Zu dritt warten wir auf den Einlass zur Hölle. Die Hölle, das ist beim dänischen Performancekollektiv Signa eine Mischung aus Dante Alighieris infernalischer Systematik, die das historische und mythologische Weltwissen seiner Zeit widerspiegelt, und einem Themennachtclub, den ein gewisser Herbert Godeux im Gedenken an seine Frau Mama errichtet hat. Vor allem aber...
