Unter die Haut
Mit Reenactments ist es so eine Sache. Selbst wenn man zum Zweck kritischster Draufschau rassistische, sexistische, antisemitische oder sonstwie mensch- oder tierverachtende Ereignisse aufführend wiederholen und idealerweise erkenntnisstiftend durcharbeiten möchte, macht man sich zum Komplizen des Heraufbeschworenen. Das können auch gezielte Brechungen – Beispiel: «Breiviks Erklärung» wird von einer Schauspielerin mit Migrationshintergrund vorgetragen – nicht restlos verhindern.
Vor diesem Problem müssen irgendwann auch die Performance-Künstlerinnen Iva Sveshtarova und Rose Beermann gestanden haben. Beim Festival «Freischwimmer», das die beiden Gießen-Absolventinnen mit «Strip naked, talk naked» eröffneten, reeanacteten sie mit Hilfe von Daniel Hinojo und Sebastian K. König die erste Folge der dänischen Talkshow «Blachman». Darin unterhalten sich zwei Männer auf der Couch über eine nackte Frau, die wortlos vor ihnen posiert – mit dem Ziel, im Pornozeitalter die Schönheit des weiblichen Körpers und damit die eigene Männlichkeit neu zu entdecken. Der Clou: Am Ende haben die quatschenden Männer weit mehr von sich preisgegeben als die schweigende Nackte.
Mit Fellbeispielen
Doch so ...
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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Eva Behrendt
Die Regieanweisungen in Hjalmar Söderbergs «Gertrud» sind äußerst akkurat. Keine schlichten Hinweise, dass man sich etwa in einem Salon befände, nein, jede bauliche Eigenart, jedes Einrichtungsstück von besagtem Salon wird genau beschrieben. «Über der Kommode: ein Empirespiegel mit Haltern für zwei Kerzen.» Zwei Kerzen, wichtig. Weil aber Annette Kurz und Karl...
Was für eine nette Familiengeschichte: Oma muss in jungen Jahren eine eiserne Nazisse gewesen sein, die noch eine Woche vor Kriegsende in der österreichischen Provinz dafür gesorgt hat, dass ein junger Wehrmachtssoldat, der laut ans Desertieren dachte, standrechtlich hingerichtet wurde. Ein Jahr später wurde sie dafür zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Danach hat...
Ein gewisses Verwirrspiel mit Rollenidentitäten gehört zum Konzept von Falk Richters schwuler Empowerment-Inszenierung «Small Town Boy». Zum Auftakt befragt der Videokünstler Glen, mit geschmeidiger Arroganz gespielt von Thomas Wodianka, seinen One-Night-Stand Russell, offensiv defensiv gespielt von Aleksandar Radenkovic, vor laufender Kamera für ein Kunstprojekt...
