Typologie der Staatsgestalter
Ganz schön nachhaltig: Erst 2014 wird «Dantons Tod» auf die Liste der Pflichtstoffe im Deutsch-Abitur gesetzt, jetzt schon zeigt das Staatstheater Karlsruhe eine Aufführung, die überaus kompatibel wäre für die fleißig sprießenden Sternchenthemen-Festivals in Baden-Württemberg. So räumt Simone Blattners Inszenierung gleich zu Beginn mit der aus heutiger Sicht wohl größten Zumutung von Büchners Text auf: der fehlenden Exposition.
Denn wo für Büchners Zeitgenossen die Französische Revolution gerade mal so lang zurücklag wie für unsereinen der «Deutsche Herbst», ist es heute doch reichlich verwirrend, Knall auf Fall mit politischen Aperçus über «Hebertisten», «Decemvirn», «Antediluvianern» oder den «Advokat von Arras» konfrontiert zu werden. Also formiert sich zum Auftakt das achtköpfige Ensemble auf einer überdimensionalen Trikolore und schmettert im Chor, angeleitet von Frontmann Danton (Frank Wiegard), die historischen Eckdaten in den Raum.
Das ist zwar nur bedingt subtil, hat aber die positive Nebenwirkung, dass Danton hier jenes Anführerformat zeigen darf, das im Stück selbst immer nur retrospektiv und vergeblich beschworen wird im Kreisen aller anderen um diesen einstigen ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Andreas Jüttner
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