Tugend ohne Gegenstand
Nach Hysterialand linksum!», steht in roter Typografie auf der ersten Seite des Programmhefts der «Tosca». Das Motto stammt von Martin Kippenberger. «Ich kann mir doch nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden», beeilt sich Lars Rudolph in der Rolle des Cavaradossi mit einem zweiten Kippenberger-Zitat. Was hat der mit «Tosca» zu tun? Nun, wie der verstorbene Kippenberger ist auch Cavaradossi, der Boyfriend der Tosca, ein Künstler. Da liegt es nahe, dem einen die Sentenzen des anderen in den Mund zu legen.
Man hätte zwar auch auf goldene Worte irgendeines anderen der vom Artnet verzeichneten fünfstelligen Zahl der im internationalen Kunsthandel als relevant gehandelten zeitgenössischen Künstler zurückgreifen können, aber man kann ja nicht über alles nachdenken. In Sebastian Baumgartens «Tosca» in der Volksbühne gab es viele solcher beliebig bis gewaltsam konstruierten Zusammenhänge zwischen dem Material und Ansichten, Vorlieben und aktuellen Lektüren von Regie und Dramaturgie. Aber diese Inszenierung war ein Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn man in 666 Jahren nicht verstehen wird, was zum Beispiel Aleister Crowley in diesem Plot verloren hat.
Mit Musik aus der Krise?
Die ...
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Die Frage ist: Wie deutlich muss man werden? Seit Jahren läuft zwischen Theatermachern und -kritikern immer dasselbe Spiel: Die Regisseure inszenieren so drastisch wie möglich, die Rezensenten werfen ihnen Plattheit vor, und am Ende heißt es immer, man solle den Zuschauer doch nicht für dumm erklären, er würde das auch so verstehen.
Nun kann man sich auf den...
Das Rührendste kam zum Schluss: Da verbeugte sich Nuran Calis inmitten seines Teams so ungelenk, so wacker bemüht, der Applaus-Etikette Genüge zu tun, dass der Beifall schier kein Ende nehmen wollte. Es war ohnehin ein Klatschen der gerührten Herzen. Wann hatte man zuletzt einen so ungehemmt naiv und unironisch gespielten Klassiker gesehen? So ungebrochen auf die...
Die Beliebtheit des Medea-Mythos dürfte unter anderem in seiner dreifachen Verwertbarkeit für heute liegen: Zum einen das Thema Kindsmord als ein aus Verzweiflung geborener Akt der Autoaggression. Zum anderen das immer gültige Ehedrama: Er nimmt sich eine Jüngere, sie bleibt als desperate Ex zurück. Zum dritten aber auch die arrogante Xenophobie, die ein...
