Tote Körper tanzen anders
Ein bisschen fühlt man sich an den Film «The Truman Show» erinnert, wenn man mit seinen Kopfhörern die Konferenzhalle betritt und plötzlich auf Kanal 8 des «Radios der Untoten» letzte Regieanweisungen vor der Performance hört: «Zuschauer sind drin, Licht aus und Start». Denn vor die lebenden Toten und die Übergänge zwischen Leben und Tod haben die Macher des Kongress- und Inszenierungsprojektes «Die Untoten. Life Sciences & Pulp Fiction» auf Kampnagel eine komplizierte, die inhaltlichen Aspekte regelrecht erdrückende szenische und technische Installation gestellt.
Die Szene ist ein Filmstudio mit verschiedenen Sets: Ein Krankenhausflur, ein Labor,
ein Friedhof und ein Kino. Die Übergänge zwischen den einzelnen Räumen sind fließend,
die Dekoration, die meist aus ein paar Pappwänden oder einer Friedhofstapete besteht,
deutet den Ort nur sehr unscharf an. Das führt wiederum dazu, dass sich in diesen Kulissen nur sehr bedingt eine Raumstimmung entfalten kann und das an sich schlüssige Konzept, Veranstaltungen zum Thema (Un-)Tod in den Zwischen- und Übergangsräumen unserer
Zivilisation zu verhandeln, ziemlich schnell in Vergessenheit gerät. Das Krankenhaus ist
nach einer kurzen ...
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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Magazin: Kongress, Seite 60
von Alexander Kohlmann
Wie mag es wohl in den abgestorbenen Provinzstädten des Postsozialismus zugehen?
In Tilmann Gerschs deutscher Erstaufführung von Michal Walczaks «Das Bergwerk» lebt
es sich dort wie auf einem heruntergekommenen Rummelplatz. Dafür hat Henrike Engels ein haushohes blinkendes Kirmes-Ungetüm mit gemalten Clowns und Knochenmännern, bunten Glühbirnen und Balustraden auf...
Laura de Weck ist gerade 30 geworden und macht gerne wenig Worte um Weniges.
Die Worte sitzen dann in aller Schlichtheit so präzis ineinander wie korrekt verschraubte
Ikea-Möbel. Sie erzählt mit trockenem Witz kleine Geschichten, die jeweils in Rekordkürze
und mit einem Rekordreduktionismus zwar noch nicht zum großen Gesellschaftsentwurf, aber doch immerhin zu...
Alvis Hermanis wurde im Westen zwar mit Gogols «Revisor» bekannt; berühmt aber ist der lettische Regiestar nicht für seine Repertoireinszenierungen, sondern für semidokumentarische Abende wie «Das lange Leben» oder «Väter», die er gemeinsam mit den Schauspielern entwickelt. Um Shakespeare oder Tschechow hatte Hermanis bisher einen Bogen gemacht. Bei Shakespeare...
