Töten als Schau
Dortmund zeigt «DIE Show». Aber nicht nur das Zeigen («show») wird gezeigt, sondern auch das Sterben («DIE»). Das Leben ist der Einsatz einer Fernsehwette. Ein unbewaffneter Freiwilliger wird eine Woche lang von einem Killerkommando durch die Stadt gejagt. Wenn er überlebt und in der live übertragenen Show ankommt, erhält er eine Million Euro, überlebt er nicht, erhält das Killerkommando das Geld. Die Idee für dieses ultimative «Wetten dass»-Format stammt von dem amerikanischen Science-Fiction-Autor Robert Sheckley.
Aus seiner Kurzgeschichte von 1958 machte der Fernsehkrimiautor Wolfgang Menge 1970 den Fernsehfilm «Das Millionenspiel», der das damals in Deutschland noch nicht existente Privatfernsehen mit den Mitteln der Satire und der «scripted reality» kritisierte. Nun nutzt das Dortmunder Schauspiel diese prophetische Vorlage nicht nur dazu, im Medium des Theaters das Medium Fernsehen durch Imitation zu entlarven, sondern auch, sie mit allen nun wirklich durchexerzierten Schrecklichkeiten der Gameshows unserer Tage anzufüllen.
Im Schauspielhaus glitzern die Sternchen, rauscht der Schlagersound, quasselt der Entertainer, flackern die Videos. Alles so blöd wie echt. Alles perfekte ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Gerhard Preußer
Der erste Raum, das erste Bühnenbild von Bert, in dem ich arbeiten durfte, war eine vollständige Blockhütte. Das war im Jahr 2000 im Prater der Volksbühne. Wir haben sie später mit auf Reisen genommen, und zwar während der von Bert erfundenen Rollenden Road Schau. Ich hab eine Menge Zeit in dieser Blockhütte verbracht und eben nicht nur bei Theaterproben. In...
Spätestens, wenn man die Liegestühle sieht, beginnt man zu ahnen, was Eyüp Yildiz meint. Eyüp Yildiz – das ist der stellvertretende Bürgermeister von Dinslaken, und als solcher hat er bereits vor dem Beginn der ersten von Johan Simons verantworteten Ruhrtriennale eine kleine Debatte ausgelöst. Yildiz warf Simons vor, die Zeche Lohberg in Dinslaken, die sich der...
Ich komme aus dem Urlaub, sie kommen aus dem Krieg. Sie haben ein Leben aufgegeben, um leben zu können. Einer der vielen Polizisten am Bahnsteig weist mir den Weg an den Flüchtlingen vorbei: «In den Mob wollen Sie nicht hineingeraten, glauben Sie mir!» Ich sehe keinen Mob. 500 erschöpfte Menschen, aussortiert nach Augenschein, befolgen geduldig wortlose Anweisungen...
