«These gibt es erst mal keine»
Wolfgang Kralicek Herr Schmidtke, Sie haben bisher hauptsächlich für Festivals gearbeitet, unter anderem waren Sie unter Schauspieldirektorin Marie Zimmermann Dramaturg bei den Wiener Festwochen, Neugründer des Festivals Theaterformen in Hannover und Braunschweig und Programmleiter der Kulturhauptstadt Tallinn 2011. Zuletzt aber waren Sie am Staatstheater tätig, als leitender Dramaturg in Düsseldorf.
Waren Ihre Erfahrungen dort so schlimm, dass Sie nun wieder in den Festivalbetrieb geflüchtet sind?
Stefan Schmidtke Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Es gibt funktionierende Strukturen, in denen man gut arbeiten kann. Und es gibt Strukturen, wo man feststellt, dass sie nicht funktionieren. Im Rückblick war meine wichtigste Aufgabe am Düsseldorfer Schauspielhaus letztlich, herauszufinden, warum es nicht funktioniert.
WK Haben Sie es herausgefunden?
Schmidtke Wenn man an einen Apparat künstlerische Ansprüche stellt – keine überzogenen, sondern ganz normale –, und dieser Apparat dann auseinanderbricht, merkt man, dass da etwas grundsätzlich nicht stimmt. Die Folgen sind bekannt.
WK In Düsseldorf scheint es das Theater überhaupt schwer zu haben. Was ist Ihre Erklärung ...
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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Festivals, Seite 44
von Wolfgang Kralicek
Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust. Eine gespaltene Persönlichkeit war Faust ja schon immer. Daraus lässt sich ein Regie-Konzept machen. In Zeiten ökonomischer Beklemmung, und unerklärlicherweise befindet sich auch im wohlständigen Bonn das Theater in einem finanziellen Engpass, ist radikale Personenreduzierung, die nach Vermehrung aussieht, ein raffinierter...
Ein Freitag im März, 17.00 Uhr. In circa einer Stunde geht in Israel die Sonne unter. Dann beginnt der Sabbat. Durch die Gassen und über die kleinen Plätze des Viertels Mea Shearim in Jerusalem huschen Männer in langen schwarzen Mänteln; unter gewaltigen Fellmützen winden sich Schläfenlocken hervor, in der Hand halten sie Plastiktüten voll mit Einkäufen. Sobald...
Der eigentliche Star des Abends ist das Bühnenbild von Jo Schramm. Da fährt das ganze Erdgeschoss einen Meter nach unten, als wir im Obergeschoss die Schritte des rastlos wandelnden Bankdirektors hören. Gerade so viel versinkt die Bühne, dass wir unter dem tief hängenden Portal die Beine Borkmans sehen können, wie er in einem schwarz ornamentierten Salon auf und ab...
