Bonn: Schwankende Gestalten

Theater Bonn, Kammerspiele Bad Godesberg, Goethe «Faust I»

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Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust. Eine gespaltene Persönlichkeit war Faust ja schon immer. Daraus lässt sich ein Regie-Konzept machen. In Zeiten ökonomischer Beklemmung, und unerklärlicherweise befindet sich auch im wohlständi­gen Bonn das Theater in einem finanziellen Engpass, ist radikale Personenreduzierung, die nach Vermehrung aussieht, ein raffinierter Weg der Opulenzbehauptung.

In Alice Buddebergs «Faust I»-Inszenierung in den Kammerspielen Bad Godesberg sieht das so aus: Es gibt nicht einen, es gibt drei Mephistos/tas, aber insgesamt nur fünf Personen fürs deutsche Nationaldrama: zu den drei Ms noch einen Faust und ein Gretchen. 

Oder, wenn man es ganz genau nimmt, gibt es vier Fäuste und gar keinen Mephisto. Denn die drei M-Gestalten, die das Programmheft ausweist, ein junger (Daniel Breitfelder), ein reifer (Wolfgang Rüter) und ein weiblicher Mephisto (Johanna Falckner), sind durch die nämlichen Baggy Jeans, weißes Hemd und weinrote Strickjacke (Kostüme: Martina Küster), die auch Faust Glenn Goltz trägt, markiert als seine Alter Egos: die Dämonen in seinem Kopf, die dunklen Kehrseiten seiner Künstlerseele. Wenn der Vorhang hochfährt und Faust seine Eingangsworte ...

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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Barbara Burckhardt

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