Textkonzert und Kinderzimmer
Das jüngste Beispiel für den Trend zur Romanadaption ist ein besonders kühnes Unterfangen: Verglichen mit «Doktor Faustus» geht ja sogar «Der Zauberberg» als well-made play durch.
Thomas Manns Spätling (1947) ist die fiktive Biografie des deutschen Komponisten Adrian Leverkühn (1885–1940), wobei die Handlung dem Autor hauptsächlich dazu dient, ein ganzes Füllhorn an essayistisch ausgeführten Themen daran aufzuhängen; musiktheoretische Exkurse (Vorbild für den Romanhelden war Arnold Schönberg) stehen neben politischen Analysen und philosophischen Betrachtungen über Deutschland und das Wesen der Kunst.
Wie Faust hat auch Leverkühn einen Pakt mit dem Teufel geschlossen – oder glaubt das zumindest. Tatsache ist, dass er sich in jungen Jahren bei einer Prostituierten wissentlich mit Syphilis infiziert hat. Solange die Krankheit nur in ihm schlummert, erlebt er kreative Höhenflüge; sobald sie aber ausgebrochen ist, führt sie zu einem jähen Ende der Karriere und einem langsamen Verdämmern in Agonie.
Regisseurin Friederike Heller schließt mit «Doktor Faustus – my love is as a fever» an ihre tolle Inszenierung von Peter Handkes «Spuren der Verirrten» (2007) an; wieder haben wir es mit einem ...
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Band 1 1965–1987
Was in Deutschland überhaupt schlecht funktioniert, ist das Mittlere. Es gibt nur Superspitzenprodukte und Scheiße, das Mittlere hat, als Quantität, nicht stattgefunden – in allen Kunstgenres, glaub ich. Es hat nie eine Mitte gegeben. mit Harun Farocki, 1981
Mein Hauptinteresse beim Stückschreiben ist es, Dinge zu zerstören. Dreißig Jahre lang war...
Fressen oder Fliegen» lauteten die recht prosaischen Handlungsoptionen, unter denen sich, im gesamten HAU-Komplex verteilt, Theater und Bildende Kunst annäherten – installativ, performativ und vor allem gesprächsbereit. Neben den alten HAU-Bekannten Rimini Protokoll, Jérôme Bel und Tim Etchells waren auch Bildende Künstler wie der Fotograf Thomas Demand oder die...
Dabei handelt es sich um ein Bilderbuch, das mit ein paar Texten, Dialog- und Originalzitaten die Entstehung des Films beschreibt. Und die tiefere Wahrheit besteht darin, dass dieses liebevollere und aufwändigere Presseheft schließlich als Vorlage für Breloers Film gelten muss.
Denn Thomas Manns Roman wird Breloers Film gerecht nur in der Art, wie die meisten Filme...
