Kalkül und Ereignis
Dabei handelt es sich um ein Bilderbuch, das mit ein paar Texten, Dialog- und Originalzitaten die Entstehung des Films beschreibt. Und die tiefere Wahrheit besteht darin, dass dieses liebevollere und aufwändigere Presseheft schließlich als Vorlage für Breloers Film gelten muss.
Denn Thomas Manns Roman wird Breloers Film gerecht nur in der Art, wie die meisten Filme – und neuerdings auch Theaterarbeiten – den Bestsellern, die sie seit einiger Zeit reihenweise adaptieren: Sie nehmen das bekannte Buch als Vorlage für eine Handlung und die beschriebenen Szenen als Bilder, die man ausmalen kann. Der große Name verleiht ihren Produzenten Sicherheit bei der Kalkulation, und der lange Ruhm garantiert das Ereignis, das der Film zu werden verspricht.
So sieht man also in Breloers «Buddenbrooks» das Gerüst von Manns Roman: die unbeschwerten Kinder Thomas, Christan und Tony, den Konsul und seine Frau, Lübecker Festlichkeiten, die gescheiterten Vermählungen von Tony mit Bendix Grünlich und dem Bayern Permaneder, Thomas’ Arbeit am Erbe, Christians versuchte Dissidenz von eben diesem Erbe, und, gerade gegen Ende hin, Tode, Beerdigungen, Trauerfeiern.
Bürgerliche Restofenwärme
Was man nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Doku-Fiction: Heinrich Breloers "Speer und er"
Den zarten Jahrgang 1975 haben sie beide, sie nennen sich «Jungspunde aus der Provinz». Barbara Weber kommt aus dem Toggenburg, Rafael Sanchez aus Basel, beide haben in den letzten Jahren viel inszeniert, in der Schweiz, in Deutschland, wurden gefeiert, sind manchmal gescheitert und manchmal sicher auch gescheiter geworden. Jetzt sind sie also die zwei bezaubernd...
Die neue Saison war noch keine acht Wochen alt, da stand es für das Feuilleton einer überregionalen Zeitung schon fest: Die Berliner Bühnen stecken in der Krise. Das Deutsche Theater, eben noch in Bernd Wilms’ letzter Spielzeit zum «Theater des Jahres» gekürt, unter Interims-Intendant Oliver Reese wegen Renovierung des Großen Hauses auf Zelt und Kammerspiele...
Aus dem kleinen Heiner (Müller), hier 1935 anlässlich der Einschulung vor dem Haus der Großeltern im sächsischen Bräunsdorf, ist nicht nur einer der wichtigsten Schriftsteller und Dramatiker deutscher Sprache geworden, sondern auch ein talentierter Prophet mit Kassandra-Ehrgeiz: «Man muss sich um antikapitalistische Alternativen keine Sorgen machen, weil der...
