Stuttgart: Im Inselcamp

Shakespeare «Der Sturm»

Theater heute - Logo

Wer zu spät kommt, den bestraft der eiserne Vorhang. Zu lange hat der alternde Inselguru seine Weisheit in Form von Büchern zusammengesucht. Während alle anderen schon längst auf der anderen Seite sind, schafft er es nicht mehr unten durch, als der Vorhang fällt.
Dieser Schluss ist tatsächlich das Überraschendste an der «Sturm»-Inszenierung von Armin Petras im Stuttgarter Schauspiel. Weil er sich für ein starkes Bild und eine klare Botschaft entscheidet: Dieser Prospero kommt hier nicht mehr weg. Alle Hoffnung ist hin.

Nur dass man den Mann wenig bedauert.

Hat er doch zweieinhalb Stunden lang fast alles getan, sich möglichst unsympathisch zu präsentieren. Die Insel, auf die es ihn mit seiner Tochter nach einem Schiffbruch verschlagen hat, regiert er mit schlechter Laune und Überheblichkeit. Manuel Harders Prospero ist mehr Hexenmeister als weiser Alchemist, mehr schmieriger Kolonialherr als Revolutionär. Entsprechend schlecht behandelt er seine zwei unfreiwilligen Diener. Luftgeist Ariel (Paul Grill) turnt als tuntiger Transvestit durchs Geschehen, ist irgendwann aber so gefrustet, weil Prospero ihn trotz Versprechen nicht freigibt, dass er nur unter Drogen durchhält. Sandra ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Kristin Becker

Weitere Beiträge
Festival: Wer ist der Affe?

Als «massives Kompendium des Zornwissens», ohne «das die Dramen des 20. Jahrhunderts nicht angemessen beschreibbar sind», hat Peter Sloterdijk das Marxsche Werk einmal bezeichnet. Womit recht gut die Faszination bezeichnet ist, die Marx noch immer auf die Dichter und Denker ausübt. Die Arbeitswerttheorie, die Verelendungstheorie oder die Thesen zum tendenziellen...

Göttingen: Liebe in Zeiten von Easyjet

Die Globalisierung hat auch ihre lustfördernden Seiten: Sextourismus war noch nie so einfach wie heute. Rebekka Kricheldorfs «In der Fremde» versammelt ein paar besonders spektakuläre Exemplare westlicher Alltagssexisten, die in Thailand, Mexiko oder Jamaica ihre überlegene Wirtschaftskraft potenz- oder zumindest frequenzsteigernd einsetzen. Ihr überbordender...

Neue Orte: Temporäre Übernahme

Die neuen Orte mit der neuen Kunst, das ist auch so eine Schimäre. Die Kunst ist an diesen Orten immer «spannend». Man rennt diesen Orten hinterher und kommt nie bei ihnen an. Und weiß das sogar vorher. Aber die Schimäre bleibt. Das Rennen auch. Wahrscheinlich hat es was mit den eigenen Anfängen zu tun, als man irgendwo war, es aufregend fand, wieder hinging, es...