Göttingen: Liebe in Zeiten von Easyjet
Die Globalisierung hat auch ihre lustfördernden Seiten: Sextourismus war noch nie so einfach wie heute. Rebekka Kricheldorfs «In der Fremde» versammelt ein paar besonders spektakuläre Exemplare westlicher Alltagssexisten, die in Thailand, Mexiko oder Jamaica ihre überlegene Wirtschaftskraft potenz- oder zumindest frequenzsteigernd einsetzen. Ihr überbordender Geschlechtstrieb wird dabei nur noch von ihrer Redefreudigkeit übertroffen.
Der schwule amerikanische Erbe hängt bis unter die Pupille randvoll mit Drogen am Tresen einer versifften Bar ab, philosophiert über die Vorzüge der ungebundenen erotischen Käuflichkeit und entwickelt eine astreine Paranoia, dass ihn seine stinkreichen Eltern doch noch am ewigen entspannten Abhängen hindern könnten. Auch die ehelebenslang sexuell unterversorgte klapprige Gräfin oder der längst schon in die Impotenz entspannte Hans quatschen einem Barmann das Ohr ab, der sich seinerseits darauf verlegt hat, alkoholisch geschwächte Touristinnen unter Zuhilfenahme von coolen Heiner-Müller-Zitaten um den Restverstand zu vögeln.
Die sexuelle Instrumentalisierung der Lebensverhältnisse kennt unterschiedlich subtile Formen: Clemens, der deutsche ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Franz Wille
Als Jack in der Wüste den Talibanskis gegenüber steht, bleibt ihm nur die Erinnerung an Annie Ocean – als Schwarz-Weiß-Bild leuchtet sie auf einem alten Röhrenfernseher, der zu Hause in der Wohnung ihres verstorbenen Vaters steht. Es ist der Fernseher, auf dem er sich immer seine alten Western-Videos angesehen hat. Und vor dem jetzt Annie Ocean auf dem Sofa liegt,...
Pläne der Redaktion
Neues von Philippe Quesne:
Er leitet seit zwei Jahren das Theatre Nanterre-Amandiers und bringt seine neue Inszenie-rung «Caspar Western Friedrich» an den Münchner Kammerspielen heraus
Dimitrij Schaad ist ein «Masterpiece of Integration» – das sagt er auch selbst.
Ein Porträt
Auch im New Yorker Meltingpot ist Integration keine einfache Sache,...
Okay, im Deutschen Schauspielhaus Hamburg wird keine Bombe geworfen. In Federico Fellinis Porträt einer dem Untergang geweihten Schiffsgesellschaft «E la nave va» (1983) dagegen schon. Dort schleudert sie am Vorabend des Ersten Weltkriegs ein serbischer Jugendlicher, der mit mehreren Dutzend gerade erst aus Seenot geretteten Leidensgenossen nach dramatischen...
