Sterntalerkind
«... oder Ein Puppenhaus»: Den Titel wörtlich nehmend, dreht sich Nora als Ballerina im Babydoll und mit plustrigem Rothaar auf giftgelbem Boden der Oberhausener Bühne, die bis auf eine grellgrüne Tannenbaum-Silhouette leer und von jederlei bürgerlichem Inventar verschont bleibt. Nora gehört ganz ins 19. Jahrhundert. Aber diese hier nicht in ein Salonstück und realistisches Seelendrama.
Sie entstammt vielmehr der Schauerromantik – und ist darin eine domestizierte Shockheaded Petra, die Manja Kuhl gespreizt, geziert und überreizt zum manischen Wesen in Tüll und Opfer einer vampiristischen Umgebung auf die Spitze treibt.
Man wartet nur darauf, dass E.T.A. Hoffmanns Automatenhersteller Coppelius, der zusammengenähte Boris Karloff oder Frankensteins Braut aus den Kulissen treten. Das tun stattdessen eine sich exaltiert gebärdende, schwarz geränderte Frau Linde (Nora Buzalka) sowie drei blutlose, spärlich frisierte Herren im Bratenrock. Torvald Helmer (Torsten Bauer), der seinem Namen alle Ehre machende und sich heillos verausgabende Dr. (K)Rank (Henry Meyer) und der Finanz-Filou Krogstad (Jürgen Sarkiss) pfeifen als lebende Leichen schon aus dem letzten Loch. Was sie nicht hindert, ...
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Zweimal Elfriede Jelinek am Rhein, zwei rivalisierende Städte, zwei gegensätzliche Konzepte für den Umgang mit Jelineks Texten: einmal «Skandal», einmal «Triumph». Der Düsseldorfer Skandal dauerte zwei Vorstellungen lang: massenhafter Abgang des Publikums während der Premiere, ein Zuschauer bespuckt eine Regieassistentin nach der zweiten Vorstellung. Ab der...
Gedankenverloren schaut der Mann in die Ferne. In seiner Nase steckt der vordere Teil einer Möhre, der Rest ragt aus dem Ohr. Ein anderer trägt eine Spaghettifrisur, eine Brillenträgerin hat Tomaten auf den Augen, den Hals einer jungen Dame kleidet ein Kollier aus rohem Fleisch. Die Bilder der nur mit Nahrungsmitteln bekleideten Schauspieler (auf anderen halten sie...
Zum Glück gibt es den Hund. Titelheld, Referenzvieh, Kommentator. Bakunin heißt er, spricht wie ein Buch und ist somit in keinem Haustier-Klischee auch nur ansatzweise unterzubringen. In Dirk Lauckes (Anti-)Gentrifizierungsposse «Bakunin auf dem Rücksitz», von Sabine Auf der Heyde in den Kammerspielen des Deutschen Theaters uraufgeführt, ist der Hund des toten Jörg...
